Wenn Männer lieben
Die Uckermark ist das am dünnsten besiedelte Gebiet Deutschlands, ihr urbanes Zentrum Prenzlau, im Krieg schwer demoliert, eine schwer erträgliche Ballung von Plattenbauten. Kultur hat es hier schwer, daran hat auch Botho Strauß nichts ändern können oder wollen, der sich vor Jahrzehnten in dieser Region niederließ. Die Uckeroper aber möchte es ändern. Ein kleines, kompetentes Team bringt große Opern auf kleine Bühnen, vorzugsweise nach Prenzlau, Schwedt und Templin, auch grenzüberschreitend nach Stettin.
Da es an bespielbaren Sälen mangelt, nutzt man im Land der bekennenden Atheisten leere Klöster und Kirchen. Sankt Marien in Angermünde sah jetzt Marc-Antoine Charpentiers «David et Jonathas»; das Kirchenschiff fungierte sowohl als Kampfstätte biblischer Kontrahenten wie als arkadische Kulisse für zwei Liebende, die nicht zueinander finden dürfen.
Die Oper entstand 1687. In jenem Jahr war Jean-Baptiste Lully gestorben und insofern nicht mehr in der Lage, sich am Sujet des Stückes zu erfreuen. Lully hatte eine Beziehung zu einem Pagen unterhalten und an Orgien des Herzogs von Vendôme teilgenommen, dem Bruder des Königs. Daraufhin entzog ihm Louis XIV. seine Gunst. Der Sonnenkönig, ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Volker Tarnow
Zum ersten Mal
Auftritt bei den Opernfestspielen von München: Susanna Mälkki dirigiert «Pénélope» von Gabriel Fauré. Es ist ein Abend der Premieren: Das Stück wird erstmals an der Bayerischen Staatsoper gezeigt, auch die finnische Dirigentin gibt ihr Debüt bei einer Neuproduktion. Die Inszenierung im Prinzregententheater übernimmt Andrea Breth. Wir fahren hin.
Aus...
Mit gutem Willen ließe sich sagen: Es war alles so beabsichtigt. Hier der Sänger des Titelhelden, der sich im sehr lyrischen Bereich bewegt und im Angriffsmodus das Florett bevorzugt. Dort der Regisseur mit dem Willen, dem Stück die Machismen auszutreiben. Don Giovanni ist eine Frau – zumindest zeitweise – und dann wieder von ihr besessen. David Hermann hat seinen...
Eigentlich meint es das Schicksal gut mit Atys. Der sanfte, etwas schüchtern-zurückhaltende Jüngling wird geliebt von einer zauberhaften Nymphe. Und da auch Sangaride, die Tochter des Flussgottes Sangare, ihn anbetet, stünde dem Glück der beiden nichts mehr im Weg – wären da nicht jene zwei «Figuren», die ihre emo -tionale Neigung mit dem Besitz der Macht und deren...
