Wenn Männer lieben

Charpentier: David et Jonathas ANGERMÜNDE | UCKEROPER | KIRCHE ST. MARIEN

Opernwelt - Logo

Die Uckermark ist das am dünnsten besiedelte Gebiet Deutschlands, ihr urbanes Zentrum Prenzlau, im Krieg schwer demoliert, eine schwer erträgliche Ballung von Plattenbauten. Kultur hat es hier schwer, daran hat auch Botho Strauß nichts ändern können oder wollen, der sich vor Jahrzehnten in dieser Region niederließ. Die Uckeroper aber möchte es ändern. Ein kleines, kompetentes Team bringt große Opern auf kleine Bühnen, vorzugsweise nach Prenzlau, Schwedt und Templin, auch grenzüberschreitend nach Stettin.

Da es an bespielbaren Sälen mangelt, nutzt man im Land der bekennenden Atheisten leere Klöster und Kirchen. Sankt Marien in Angermünde sah jetzt Marc-Antoine Charpentiers «David et Jonathas»; das Kirchenschiff fungierte sowohl als Kampfstätte biblischer Kontrahenten wie als arkadische Kulisse für zwei Liebende, die nicht zueinander finden dürfen.

Die Oper entstand 1687. In jenem Jahr war Jean-Baptiste Lully gestorben und insofern nicht mehr in der Lage, sich am Sujet des Stückes zu erfreuen. Lully hatte eine Beziehung zu einem Pagen unterhalten und an Orgien des Herzogs von Vendôme teilgenommen, dem Bruder des Königs. Daraufhin entzog ihm Louis XIV. seine Gunst. Der Sonnenkönig, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Präzision und Wärme

Dass der Italiener Victor de Sabata zu den besten Wagner-Dirigenten gehörte, war auch außerhalb seines Heimatlandes bald bekannt; auf Schallplatte dokumentiert wurde dieser Ruf aber überraschend spärlich. Einzelne Stücke aus Wagners Musikdramen liegen in Aufnahmen vor: etwa ein überaus geschmackvoll dirigiertes «Meistersinger»-Vorspiel, ein innig und leuchtend...

Emphase und Expertise

Die Schweizer Sprache hält einige Besonderheiten bereit, die man von außen her doch eher amüsiert betrachtet. Dazu zählt auch, neben der charmanten Begrüßung «Grüezi» und der flotten sportlichen Anfeuerung «Hopp Schwyz» auch der Begriff des «Redaktors», der bei Weitem nicht so charmant klingt wie das hochdeutsche «Redakteur», dieser eher prosaischen Tätigkeit aber...

Verhängnisvolle Leidenschaften

Woll- oder Leinenfäden werden an diesen Arbeitsplätzen nicht mehr versponnen. Dafür gibt es Kabel: Die quellen über Schreibtische, während die beiden Damen auf ihren Tastaturen hämmern, um immer neue Avatare zu erzeugen: Webkunst 2.0. Wir sind über Ovids Antike schließlich hinaus. Dazu wird gesungen, hanebüchen Schweres von Antonio Vivaldi. Ein Showdown, hier...