Sandalenoper
Sämtliche Opern von John Adams wurden an der Met bislang auf die Bühne gebracht, nach «Nixon in China»( 2011) ist «Antony and Cleopatra» aber erst die zweite, die der Komponist selbst dirigiert. Ein faszinierender Abend, aber auch bei Adams – ähnlich wie bei Samuel Barber in seiner 1966 uraufgeführten Version des Sujets – bleibt offen, ob Shakespeares Schauspiel wirklich auf die Opernbühne gehört. Adams’ Adaption enthält sowohl merkwürdige Zusätze wie Auslassungen, glänzt aber in der orchestralen Textur und durch ihren rhythmischen Schwung.
Visuell ist es eine sehr starke Inszenierung – dank des flexiblen Bühnenbilds von Mimi Lien, dank Constance Hoffmans prächtiger Kostüme aus den 1930er-Jahren (sowohl Hollywood-Filmaufnahmen als auch Paparazzi-Fotos wurden für die drei Hauptrollen als Vorlage verwendet) sowie dank des scharfen Lichts von David Finn und der Projektionen von Bill Morrison. Leider mutet die (musikalisch aufregende) Schlacht von Actium an wie ein Land- nicht wie ein Seekonflikt.
Gerald Finley liefert eine überragende heroische Darstellung des Antonius. Der kanadische Bariton singt kraftvoll, mit wunderbarem Legato und verblüffender verbaler Klarheit; damit macht er ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von David Shengold
Wir vernehmen die schwer auf ihrer Seele lastenden Atemzüge einer Sterbenden: Die noch junge Frau ringt sie sich mit Hilfe eines Sauerstoffgeräts ab – bevor man im Graben jene schwervernebelten Streicherklänge des Vorspiels zum dritten Akt vernimmt, die von baldiger Erlösung zu künden scheinen. Und weil Violettas Verlöschen zum Längsten gehört, was Verdi je für...
Im Jahr 1966 kommt Paul McCartney bei einem Autounfall ums Leben. Um die Öffentlichkeit zu täuschen, pflanzen die Plattenbosse der Band heimlich einen Doppelgänger ein und verpflichten die hinterbliebenen «Beatles» zur Verschwiegenheit. Trotzdem platzierten John, Ringo und George in ihren Liedtexten heimliche Botschaften an die Fan-Gemeinde: Spielt man «I Am The...
Mit gutem Willen ließe sich sagen: Es war alles so beabsichtigt. Hier der Sänger des Titelhelden, der sich im sehr lyrischen Bereich bewegt und im Angriffsmodus das Florett bevorzugt. Dort der Regisseur mit dem Willen, dem Stück die Machismen auszutreiben. Don Giovanni ist eine Frau – zumindest zeitweise – und dann wieder von ihr besessen. David Hermann hat seinen...
