Sandalenoper
Sämtliche Opern von John Adams wurden an der Met bislang auf die Bühne gebracht, nach «Nixon in China»( 2011) ist «Antony and Cleopatra» aber erst die zweite, die der Komponist selbst dirigiert. Ein faszinierender Abend, aber auch bei Adams – ähnlich wie bei Samuel Barber in seiner 1966 uraufgeführten Version des Sujets – bleibt offen, ob Shakespeares Schauspiel wirklich auf die Opernbühne gehört. Adams’ Adaption enthält sowohl merkwürdige Zusätze wie Auslassungen, glänzt aber in der orchestralen Textur und durch ihren rhythmischen Schwung.
Visuell ist es eine sehr starke Inszenierung – dank des flexiblen Bühnenbilds von Mimi Lien, dank Constance Hoffmans prächtiger Kostüme aus den 1930er-Jahren (sowohl Hollywood-Filmaufnahmen als auch Paparazzi-Fotos wurden für die drei Hauptrollen als Vorlage verwendet) sowie dank des scharfen Lichts von David Finn und der Projektionen von Bill Morrison. Leider mutet die (musikalisch aufregende) Schlacht von Actium an wie ein Land- nicht wie ein Seekonflikt.
Gerald Finley liefert eine überragende heroische Darstellung des Antonius. Der kanadische Bariton singt kraftvoll, mit wunderbarem Legato und verblüffender verbaler Klarheit; damit macht er ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von David Shengold
Wie heißt es so schön und mottogebend in Thomas Manns Joseph-Romanen? «Tief ist der Brunnen der musikalischen Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?» Dieser Brunnen hat schon tausende Opern verschlungen, das ist bekannt. Vieles verging und kehrt nie wieder. Doch gibt es Werke, die sich einen regionalen Ruhm bewahrt haben und im Abstand von...
Antonio Caldara gilt schon lange nicht mehr als jener barocke Kleinmeister, als den man ihn lange Zeit klassifiziert hatte. Für seine Zeitgenossen war er einer der bedeu -tendsten Komponisten überhaupt, seine Berufung an den Wiener Kaiserhof Karls VI., an dem er von 1716 bis zu seinem Tod 1736 wirkte, und die enorme Verbreitung seiner Musik in ganz Europa...
Es gibt das Phänomen des mittelmäßigen Fußballers, der später ein überragender Trainer wird. Da darf man bestimmt Jürgen Klopp nennen, Thomas Tuchel und aus der jüngeren Generation Sebastian Hoeneß. Jorma Panula, der am 10. August seinen 95. Geburtstag feiert, hat als aktiver Dirigent nicht allzu viele bleibende Spuren hinterlassen (auch wenn es in den...
