Allerliebst
Leonhard Franks 100 Jahre alte Erzählung «Karl und Anna» dreht sich um einen Identitätsschwindel, der so radikal ist, dass er praktisch die Realität transformiert. Karl, der in ferner Kriegsgefangenschaft von dem Mitsoldaten Richard monatelang die Geschichten über dessen Frau Anna angehört hat, ist bereits in diese verliebt, als er sich nach seiner Flucht zu ihr durchschlägt und behauptet, Richard zu sein. Anna glaubt ihm kein Wort, aber auch sie verliebt sich. Als Richard heimkehrt, geht das Paar seiner Wege.
Was ist die Ehe gegen die Liebe? Faszinierend, dass die 1920er-Jahre hier toleranter waren als die unmittelbare Nachkriegszeit, in der eine Bühnenfassung des Stoffs in der Heimatstadt des 1933 emigrierten Schriftstellers auf Entrüstung von konservativer Seite traf.
Würzburg war nun auch der adäquate Ort der Uraufführung einer «Karl und Anna»-Oper, die das Mainfranken Theater bei dem österreichi -schen Komponisten Christoph Ehrenfellner in Auftrag gegeben hatte. Von Roland Schimmelpfennig ist das kluge, wirksame Libretto. Der regieführende Intendant Markus Trabusch fand im niegelnagelneuen Kleinen Haus eine gute Spielstätte vor: nicht winzig, aber sehr intim. Schimmelpfennig ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Judith von Sternburg
Zwei Begriffe vor allem stehen, gleichsam interaktiv, für den Musikbetrieb: Repertoire und Publikum. Denn was sich durchgesetzt hat, wird auch geliebt, und was beliebt ist, zum Programm. Beiden Tendenzen liegt das Missverständnis zugrunde, das «zeitlos Gültige» setze sich ohnehin durch. Die Wirklichkeit freilich sieht anders aus. Noch vor 100 Jahren galt Schubert...
Kein Bühnenwerk Richard Wagners konfrontiert ein Produktionsteam am Theater wohl mit derart vielen konzeptionellen Vorabüberlegungen wie die romantische Oper «Tannhäuser». Und das hat viel damit zu tun, dass der Komponist selbst es war, der dieses Stück als etwas Unvollendetes betrachtete. Er sei der Welt «noch einen Tannhäuser schuldig», beteuerte er gegenüber...
Zwei Frauen in einem Kleid? Na, das kann ja heiter werden. Im Fall der jungen, aufstrebenden Sopranistin Eva Zalenga und der formidablen Pianistin Doriana Tchakarova aber trifft das Bild, mit dem das Cover ihres Debütalbums geschmückt ist, den Kern der Causa. Beide verbindet eine längere Zusammenarbeit, die nun Ausdruck findet in einer CD, die wiederum jene engen...
