Klangkunst am Rand der Welten

Serge Guts bedeutendes Liszt-Buch liegt in revidierter Gestalt vor

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Zwei Begriffe vor allem stehen, gleichsam interaktiv, für den Musikbetrieb: Repertoire und Publikum. Denn was sich durchgesetzt hat, wird auch geliebt, und was beliebt ist, zum Programm. Beiden Tendenzen liegt das Missverständnis zugrunde, das «zeitlos Gültige» setze sich ohnehin durch. Die Wirklichkeit freilich sieht anders aus. Noch vor 100 Jahren galt Schubert als «Meister der kleinen Form» und keineswegs jener «himmlischen Länge», die Schumann an der C-Dur-Symphonie pries.

Selbst das Verhältnis der «beiden Riesen» Bach und Händel hat sich verkehrt: Sind Bachs Kantaten und Orgelwerke eher rar geworden, so haben Händels Opern, einst als «Konzerte in Kostümen» belächelt, auf dem Umweg auch über die inszenierten Oratorien enorm an Attraktivität gewonnen. Zeitgeist wie ökonomisch-organisatorische Zwänge haben die Rezeption der Komponisten gebremst. Das gilt für Mozart wie für die Moderne. Selbst ein so eminenter Innovator im «Komponieren mit nichtklingenden Materialien» wie Mauricio Kagel taucht sogar im multimedialen Kontext immer seltener auf.

Hegels «Furie des Verschwindens» hat sich auch eines einst überaus populären Komponisten bemächtigt: Franz Liszt, Klavier-Superstar, von ...

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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Gerhard R. Koch

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