Klangkunst am Rand der Welten
Zwei Begriffe vor allem stehen, gleichsam interaktiv, für den Musikbetrieb: Repertoire und Publikum. Denn was sich durchgesetzt hat, wird auch geliebt, und was beliebt ist, zum Programm. Beiden Tendenzen liegt das Missverständnis zugrunde, das «zeitlos Gültige» setze sich ohnehin durch. Die Wirklichkeit freilich sieht anders aus. Noch vor 100 Jahren galt Schubert als «Meister der kleinen Form» und keineswegs jener «himmlischen Länge», die Schumann an der C-Dur-Symphonie pries.
Selbst das Verhältnis der «beiden Riesen» Bach und Händel hat sich verkehrt: Sind Bachs Kantaten und Orgelwerke eher rar geworden, so haben Händels Opern, einst als «Konzerte in Kostümen» belächelt, auf dem Umweg auch über die inszenierten Oratorien enorm an Attraktivität gewonnen. Zeitgeist wie ökonomisch-organisatorische Zwänge haben die Rezeption der Komponisten gebremst. Das gilt für Mozart wie für die Moderne. Selbst ein so eminenter Innovator im «Komponieren mit nichtklingenden Materialien» wie Mauricio Kagel taucht sogar im multimedialen Kontext immer seltener auf.
Hegels «Furie des Verschwindens» hat sich auch eines einst überaus populären Komponisten bemächtigt: Franz Liszt, Klavier-Superstar, von ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Gerhard R. Koch
Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht? Einmal abgesehen davon, dass Heinrich Heine, als er diese berühmten Verse zu Papier brachte, in erster Linie an seine ferne Mutter dachte und erst in zweiter an die verlorene Heimat, steht es um dieses Land, zumindest was die Künste angeht, nicht gar so schlecht (und vor allem nicht so schlecht,...
Ein Mann begegnet eines Tages jemandem, der genauso aussieht, wie er selbst – seinem Doppelgänger. Von Stund’ an wird der Titularrat Goljadkin im zaristischen Russland zum Objekt einer Bewusstseinsspaltung, die ihn schließlich in den Wahnsinn treibt. Soweit die Geschichte in Fjodor Dostojewskis Roman «Dvojnik» («Der Doppelgänger») von 1846. Eine Dystopie, schon...
Fliegende Fische
Droben im Norden, so sagt man, reden die Menschen nicht besonders viel. Das mag stimmen. Doch im Theater ist das anders, so auch im Stadttheater Bremerhaven, in das sich die Großkritik so gut wie nie verirrt. Im Rahmen der Serie «Opernwelt auf Landpartie» statten wir dem Haus einen Besuch ab und nutzen die Gelegenheit, den neuen «Rosenkavalier»...
