Klangkunst am Rand der Welten
Zwei Begriffe vor allem stehen, gleichsam interaktiv, für den Musikbetrieb: Repertoire und Publikum. Denn was sich durchgesetzt hat, wird auch geliebt, und was beliebt ist, zum Programm. Beiden Tendenzen liegt das Missverständnis zugrunde, das «zeitlos Gültige» setze sich ohnehin durch. Die Wirklichkeit freilich sieht anders aus. Noch vor 100 Jahren galt Schubert als «Meister der kleinen Form» und keineswegs jener «himmlischen Länge», die Schumann an der C-Dur-Symphonie pries.
Selbst das Verhältnis der «beiden Riesen» Bach und Händel hat sich verkehrt: Sind Bachs Kantaten und Orgelwerke eher rar geworden, so haben Händels Opern, einst als «Konzerte in Kostümen» belächelt, auf dem Umweg auch über die inszenierten Oratorien enorm an Attraktivität gewonnen. Zeitgeist wie ökonomisch-organisatorische Zwänge haben die Rezeption der Komponisten gebremst. Das gilt für Mozart wie für die Moderne. Selbst ein so eminenter Innovator im «Komponieren mit nichtklingenden Materialien» wie Mauricio Kagel taucht sogar im multimedialen Kontext immer seltener auf.
Hegels «Furie des Verschwindens» hat sich auch eines einst überaus populären Komponisten bemächtigt: Franz Liszt, Klavier-Superstar, von ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Gerhard R. Koch
Schreckliches ist geschehen, möglicherweise. Was aber wirklich gewesen ist im vornehmen Landsitz Bly, wohin die Governess zur Erziehung der zwei halbwüchsigen Geschwister Miles und Flora kommt und worin sie unbedingt ihr Bestes geben will – das erfahren wir nicht. Nicht in Henry James’ viktorianischer Spuk -novelle aus dem Jahr 1898, noch weniger in Brittens...
Wie in Deutschland, so stand auch in Frankreich das Orchesterlied stets im Schatten des klavierbegleiteten Sololieds, der mélodie. Héctor Berlioz war der Erste, der 1856 die Orchesterversion seiner «Les nuits d’été» einer musikalischen Feinarbeit unterzog, die sich vom Operngesang mit seinen kräftigeren instrumentalen Pinselstrichen meist deutlich abhebt. Dieser...
Es läuft nicht immer alles nach Wunsch. Auf dem Papier war es ein Krönungsabend für die Sonnambula unseres Jahrhunderts; ein Abend, der die großen Nachtwandlerinnen der Vergangenheit vergessen machen sollte, von Giuditta Pasta über Maria Callas bis zu June Anderson. Und ja, Lisette Oropesa hat alle Voraussetzungen, um mit den genannten Göttinnen zu konkurrieren....
