Achtung, Ironie!
Lieber Freund, man greift nicht nach den Sternen», ermahnt Angèle in Franz Lehárs «Graf von Luxemburg» den Baron von Reval alias René, auch Graf von Luxemburg genannt. Wir schreiben das Jahr 1909, Lehár knüpft mit dieser Operette an den Welterfolg seiner «Lustigen Witwe» (1905) an. Sieben nicht ganz so goldene Jahre später – der Erste Weltkrieg erschüttert bereits seit anderthalb Jahren das alte Europa – lässt Lehár seinen neuen Titelhelden nicht mehr nach den Sternen greifen. Sondern nur noch nach ihnen schauen. «Der Sterngucker», uraufgeführt am 14.
Januar 1916 im Theater in der Josefstadt zu Wien, ist eines jener Experimente, mit denen der Komponist versucht, der schon damals oft totgesagten Gattung neue Bestimmung zu geben. Oder einen Sinn?
Das Libretto von Alfred Maria Willner, der unter anderem auch für den «Graf von Luxemburg» verantwortlich zeichnet, und dem damals noch wenig bekannten promovierten Juristen und Schriftsteller Fritz Löhner-Beda, schlägt einen für die zeitgenössische Operettenproduktion recht ungewöhnlichen Weg ein. Weder adelige noch exotische Figuren bevölkern die Bühne, sondern ziemlich «normale» Menschen, die keine anderen Probleme haben als ihre mehr ...
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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Alexander Dick
Vielleicht hat es Yniold schon mal bis zum Remis geschafft. Und ob seine Armee aktuell auf Sieg steht: Wir werden es nie erfahren nach der wütenden Handbewegung, mit der Papa Golaud alle Schachfiguren vom Tisch fegt. Es ist erstaunlich, wie der kleine Thronfolger in dieser kaputten Familie alles bewältigt – auch wenn er sich ab und zu traumatisiert unter den Tisch...
Lieber Herr Trojahn, in diesem Monat erlebt Ihr «Orest» in Kopenhagen seine sechste Inszenierung seit der Amsterdamer Uraufführung 2011. Damals haben Sie in einem Interview über den Protagonisten, der als suchender Held zwischen zwei archaischen Systemen steht – dem Matriarchat, das den Gattenmord erlaubte, und einer neuen patriarchalischen Ordnung –, gesagt: «Wie...
Die reitenden Boten des Königs kommen sehr selten.» So dichtete Bertolt Brecht einst für das Finale der «Dreigroschenoper»: Er wollte damit das Happy End ironisch brechen - eine Art Verbrüderung mit dem kritisch denkenden Teil des Publikums. Die Intervention des Übernatürlichen auf der bürgerlichen Bühne kommentierte der Meister der Verfremdung so: «Der reitende...
