Abwegig

Beethoven: Fidelio am Staatstheater Wiesbaden

Opernwelt - Logo

In der Partie der Leonore hat Evelyn Herlitzius weltweit reüssiert. Nun hat sie mit Beethovens «Fidelio» am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ihr Regiedebüt gegeben. Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann lässt die Zuschauer in ein Gefängnis blicken, das dem «Panopticon» nachempfunden ist, einem vom Philosophen Jeremy Bentham im ausgehenden 18. Jahrhundert entworfenen Gefängnisbau, der die totale Überwachung aller Insassen durch einen einzigen Wärter garantierte.

In streng symmetrisch angeordneten Zellen bewegen sich die Gefangenen in Wiesbaden darin wie in einem Setzkasten. Hinter den milchigen Scheiben ist jede ihrer Bewegungen einsehbar. Nur ein Insasse ist den Blicken entzogen – Florestan, der als politischer Häftling ins tiefste Dunkel verbannt wurde. Die brutale Repression gegenüber Andersdenkenden, die auf unabsehbare Zeit im Gefängnis verschwinden, ist ein Thema, das heute wieder beklemmende Aktualität erlangt. Eigentlich eine Steilvorlage für die Inszenierung. Doch die Regisseurin vermeidet jede aktuelle Bezugnahme und verlegt sich stattdessen lieber darauf, Geschichten zu erzählen. Leider führt bereits der hinzuerfundene Prolog, der während der Ouvertüre in einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Fremde in der Nacht

Die schönsten Illusionen? Bietet das Kino. Im Kino darf man träumen, bedingungslos, ohne Wenn und Aber, nur dort flimmern die verrücktesten Träume über die Leinwand und direkt ins Herz hinein. Auch für die kleine Senta ist es ein Sehnsuchtsort, in den sie, begleitet vom Vater und der strengen Aufpasserin Mary, eintaucht wie in eine längst verblichene Welt; eine...

Fleisch und Geist

Man sieht es – und erschaudert: Italien im Winter 2022, das ist eine Nation, die schon seit Jahrzehnten auf dem ökonomischen Holzpfad wandelt, die spätestens mit dem Antritt der Ministerpräsidentin Giorgia Meloni von der rechtsextremen Partei «Fratelli d’Italia» aber endgültig in der Vergangenheit angekommen ist, unabhängig davon, ob man diese nun als...

Zeitgemäß

Von der Weser bis zur Elbe, von dem Harz bis an das Meer» – so beginnt das «Das Lied der Niedersachsen». Und am Ende des zitierten Ausschnitts steigt man am besten auch schon wieder aus der Lektüre aus, folgen doch fast nur noch Nationalismen, die das Niedermetzeln einstmaliger Gegner feiern. Wesentlich feinsinniger gehen heuer die niedersächsischen Theater zu...