Das ist die Berliner Lust, Lust, Lust ...
Die Dame darf getrost als «Berlinerin» gelten. Seit 1912 in der deutschen Hauptstadt und dort seit 1924 öffentlich gezeigt, hat das nicht ganz freiwillige Exil doch sprachlich ziemlich abgefärbt. Mag auch die Büste der Nofretete beharrlich schweigen, ihre pharaonische Nachfolgerin bedient sich dreieinhalb Jahrtausende später ungeniert des örtlichen Jargons. Auch in Hildesheim, wo Silke Dubilier eine volkstümliche Darstellung der Kleopatra gelingt, ohne in quietschenden Infantilismus abzugleiten.
Die Mezzosopranistin war schon in den Titelpartien von «Hello, Dolly!», «Evita» und «Cabaret» zu erleben, ebenso in der «Csárdásfürstin» und in der «Gräfin Mariza» – sie kann also wirklich singen und nicht bloß, wie im Musical und der Berliner Operette gang und gäbe, Gesang «imitieren». Wo sich dann die Frage stellt: Sind Oscar Straus’ «Perlen der Cleopatra» Berliner oder Wiener Provenienz? Der Komponist und seine Librettisten waren Österreicher, ebenso Fritzi Massary, Richard Tauber und Max Pallenberg, die Hauptakteure der Uraufführung 1923 im Theater an der Wien. Erst die 1924 folgende Berliner Aufführung brachte einen Norddeutschen ins Spiel, und zwar den Norddeutschen schlechthin: Hans ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Volker Tarnow
All das Neue, was die Musikstadt Wien seit Beginn dieser Saison durchweht, hat mit dem Anfangen noch gar nicht aufgehört: Die Intendanzwechsel im Theater an der Wien sowie an der Volksoper haben erst eine kleine Handvoll an Produktionen nach sich gezogen, die grosso modo beim Publikum gut bis sehr gut angekommen sind – dazu gleich mehr. Im Haus am Ring hingegen hat...
Erklären, erhellen, das ist in dieser Causa oft vergebliche Regiemüh’! Weil sich die Märchen-Mythen-Psycho-Melange von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal gegen Stringenz und Linearität sperrt – was an sich nichts Negatives sein muss. Und leicht ließe sich ja lächeln über die «Frau ohne Schatten», die zwischen explodierter «Zauberflöte» und monumentaler...
Ich hab’ eine Oper g’schrieben, da ist alles logisch d’rin», lässt Georg Kreisler den imaginären Komponisten seines «Opernboogies» mit dem schönen Titel «Der Ritter trifft die Ritterin unter einer Linde» behaupten. Die Frage, ob Kreislers an den Paradoxa der Oper rüttelnder Humor auch Mozart und Beethoven amüsiert hätte, erübrigt sich allein historisch. Auf jeden...
