Absurdes Theater
Die romantische Oper lebt, auch in ihren letzten Exemplaren, vom Dreiklang aus Natur, Liebe und Tod. Streicht man einen dieser Topoi, wird es schwierig; streicht man zwei, ist es nicht mehr romantisch; streicht man drei, haben wir es mit schlechtem Regietheater zu tun. Die neue Berliner «Rusalka» kennt weder Natur noch Liebe; sie bietet lediglich Surrogate an. Im Finale findet Kornél Mundruczó beeindruckende Bilder für den Tod und kompensiert damit immerhin die jämmerliche Leere der ersten beiden Akte.
Von der Operngattung an sich scheint der Regisseur nicht den blassesten Schimmer zu haben. Über zwei Stunden lang gibt es bei ihm keine Szene, keine Aktion, keine einzige Bewegung, die Text und Musik in ein stimmiges Verhältnis setzen würde. Dass er Jaroslav Kvapils Märchen – ein Amalgam aus Andersen, Fouqué, Grillparzer und Hauptmann – in eine Wohngemeinschaft verlegt und den Waldsee in eine Badewanne, ist nicht unbedingt das Problem – aber wie er vorgeht, macht sein Laienspiel zur wahrscheinlich absurdesten Deutung, die jemals irgendwo gezeigt wurde.
Die exzellent disponierte Staatskapelle und eine handverlesene Solistenschar retten den Abend. Man genießt ihre Kunst am besten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Volker Tarnow
Eine Collage war George Bizets «Carmen» im Grunde von Anbeginn an. Ob Konstruktionsprinzip oder Konstruktionsfehler, darüber lässt sich bis in die Gegenwart trefflich streiten. Wobei deren Ästhetik Ersterem ja durchaus zugetan ist. Die durcherzählte, stilistisch homogene Geschichte hat in der Spätmoderne kaum noch Konjunktur, und das abgesehen davon, dass es im...
Hat dieser Mann mit den diversen Namen etwas gelernt im Laufe der zwei Jahrhunderte, in dem wir ihm an diesem Abend an der Norwegischen Oper in Oslo begegnen, im Rahmen eines so nie zuvor dagewesenen Opern-Triptychons? Zu Beginn, in Schumanns Liedzyklus «Frauenliebe und -leben», spielt John Lundgren den Hausherrn eines vornehmen Stadtpalais, der zur musikalischen...
Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Diesem allerdings schon. Ein kalter, sonnendurchfluteter Winternachmittag am Rande des Bebelplatzes in Berlins Mitte. Im Rücken die Staatsoper, vor uns das Hotel de Rome, in das Katharina Kammerloher aber nicht gehen möchte, weil es ihr doch einen Hauch zu mondän ist. Ein erstes offenherziges Lächeln, dazu ein...
