Zeitreise

Schumann: Frauenliebe und -leben; Bartók: Herzog Blaubarts Burg; Zemlinsky: Eine florentinische Tragödie an der Oper Oslo

Opernwelt - Logo

Hat dieser Mann mit den diversen Namen etwas gelernt im Laufe der zwei Jahrhunderte, in dem wir ihm an diesem Abend an der Norwegischen Oper in Oslo begegnen, im Rahmen eines so nie zuvor dagewesenen Opern-Triptychons? Zu Beginn, in Schumanns Liedzyklus «Frauenliebe und -leben», spielt John Lundgren den Hausherrn eines vornehmen Stadtpalais, der zur musikalischen Soiree mit einer jungen Sängerin geladen hat.

Ingeborg Gillebo gibt diese Künstlerin, und sie stimmt die 1840 komponierten Lieder mit der gewinnend warmen Lyrik ihres Mezzosoprans am heimischen Steinway an, pointillistisch zart begleitet von Håvard Gimse. Ihr liedgemäß erzromantisches Sehnen wird alsbald erfüllt: Er reicht der Schönheit ebenjenen Ring, den die kongenial vertonten Gedichtzeilen Adelbert von Chamissos überschwänglich rühmen.

Neun Monate später scheint auch sie die Erwartungen des Gatten erfüllt zu haben, indem sie ein Kind zur Welt bringt. Bis hierhin (über)zeichnet die Inszenierung von Tobias Kratzer die Figuren zwar mit köstlicher Komik im historisierenden Ambiente einer gediegenen Biedermeier-Bürgerlichkeit, bleibt aber noch nah an den Inhalten, die Chamisso und Schumann vorgeben. Danach jedoch gehen die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Schwergängig

La Montagne Noire» von Augusta Holmès (1847–1903) war nach Louise Bertins «La Esmeralda» (1836) erst die zweite Oper einer Komponistin, die 1895 an der Pariser Opéra gespielt, aber bereits nach dreizehn Vorstellungen abgesetzt wurde. Jetzt hat die Oper Dortmund im Kontext des den «Ring» flankierenden «Wagner-Kosmos» das seither nie wieder gespielte Stück der...

Der Wille zur Macht

Es ist nicht leicht, ein Zar zu sein. Vor allem dann nicht, wenn das eigene Volk in einem ziemlich heruntergekommenen Betonschacht mit Kronleuchter lebt. Das mit nahezu identischen blonden Scheitelfrisuren ausgestattete Kollektiv, vom neuen Chordirektor des Nationaltheaters Mannheim, Alistair Lilley, hervorragend einstudiert, lässt sich leicht manipulieren und...

Keine leichte Kost

Seit nunmehr fast sieben (guten) Jahren ist nahe Athen das Stavros Niarchos Foundation Cultural Center in Betrieb, ein massiver Gebäudekomplex, in dem sich unter anderem auch die Greek National Oper (GNO) mitsamt einer großen und einer kleinen Bühne befindet. Wie ein eigener Stadtteil erstreckt sich das Kunst- und Kulturzentrum am Rande eines 400 Meter langen...