Abschied für immer
Die Theaterklause in Brandenburg an der Havel ist ein behaglicher Ort. Alles leuchtet in warmen Farben, an den Fenstern hängen rote Vorhänge, die Wand hinterm Tresen ist holzverkleidet. Doch der Blick des Theaterintendanten passt eher zu den traurigen Temperaturen vor der Tür. Kein Wunder, gleich beginnt die Uraufführung der Oper «Kleist». Es wird die letzte an seinem Haus sein. Die Sparte Musiktheater wird geschlossen. Wie konnte es so weit kommen?
«Der Sündenfall», sagt Christian Kneisel, «war der Theaterverbundvertrag».
Ende der neunziger Jahre hat das Land Brandenburg die Theater von Frankfurt (Oder), Potsdam und Brandenburg/Havel zusammengelegt. Jahrzehntealte Ensembles wurden aufgelöst – und das, obwohl ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang zwischen Kulturabbau und Abwanderung besteht. Ausgerechnet dem kleinsten Haus in Brandenburg/ Havel fiel es zu, die teuerste Kunstform beizusteuern: das Musiktheater. «Das hat damals niemand verstanden», so Kneisel, «und wir haben nie annähernd die Gelder bekommen, die wir gebraucht hätten für drei Produktionen im Jahr.» Dann rechnet er vor, wie bei schamlos niedrigen Gagen für exzellente Künstler die Tarif- und Bestriebskosten ...
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Die Bewunderung seiner komponierenden Zeitgenossen war ihm sicher. Wer während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Rad der Musikgeschichte weiterdrehte, lobte die Bühnenwerke des aus Florenz stammenden Wahl-Franzosen Luigi Cherubini über den grünen Klee. Brahms etwa erblickte in der 1797 uraufgeführten «Medée» gar «das Höchste in dramatischer Kunst». Weber...
2006 wurde in Köln Jan Müller-Wielands «Held der westlichen Welt» präsentiert – ein buntes Stil-Crossover mit prächtigen (Quasi-)Zitaten zur schwarzen Komödie des John M. Synge: Das trunkene, maulheldenhafte, trostlose Irland von 1907 diente einem Hartz-IV-Musiktheater mit Berliner Volksbühnen-Charme als Vorlage. Nun kam mit «Rotter» das Gegenstück an den...
«Eigentlich war ich», sagt Christa Ludwig, «ein Antityp der Carmen. Einmal, Anfang der 1960er Jahre, sprang ich an der Wiener Staatsoper für Jean Madeira ein, eine Carmen wie gemalt. Ich war dagegen ein Fiasko –‚ ‹Trotzköpfchens Zigeunerhochzeit›, schrieb der Kritiker Karl Löbl, und er hatte Recht.» Wer so erfolgreich war und so unumstritten ist wie die Ludwig,...
