50 Jahre danach
Klein, silbern, teuer: Als vor gut einem Vierteljahrhundert die CD den Tonträgermarkt im Sturm nahm, war ein Preis von fünfundvierzig bis fünfzig Mark angepeilt. Das Spiel von Angebot und Nachfrage temperierte diese Phantasiesumme schnell, auch der Mangel an Aufnahmen im dreifach-digitalen Standard machte einen Strich durch die Rechnung.
Nicht zuletzt mit den unzähligen Wiederveröffentlichungen aus dem Back-Katalog waren gute Geschäfte nur über die Masse zu erzielen – vor allem bei den kauffreudigen Klassik-Konsumenten, die ihre lieb gewordenen Einspielungen im neuen Komfortformat nachkauften. Freilich konnte man für Jahrzehnte alte Aufnahmen schwerlich den Preis einer aufwändigen Neuproduktion verlangen. Nur bei wenigen Referenztiteln gelang dies der Industrie fast bis zum heutigen Tag: Die «Tosca» etwa mit Maria Callas und Tito Gobbi ist seit 1953 eine der bestverkauften Opernaufnahmen überhaupt. Mehr als hundert verschiedene Hochpreis-Editionen brachte die Produktionsfirma EMI davon heraus. Doch jetzt kollabierte das Monopol, für rund zehn Euro ist das Glanzstück zu haben. Der Grund: In Deutschland laufen nach fünfzig Jahren die Rechte der Produktionsfirma und Künstler an ...
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Alle Achtung! Alfred Kirchner geriert sich in seiner Freiburger «Aida» nicht selbstgefällig als «elder statesman» der Regie – er rollt vielmehr die Ärmel auf. Er beweist, sagen wir: soziokulturelle Kompetenz. Er sieht Verdis Oper, weit weg von Verona und jedwedem Kostümschutt, als verdächtig gegenwartsnahen Kampf der Kulturen. Er bindet einen gänzlich...
Lucrezia hat keine Chance: Blutschande mit Vater und Brüdern, der Gifttod, den ihre Hand so gern und oft gereicht haben soll – sie ist gerichtet von zahllosen Geschichtsschreibern. Und wenn auch aus Historikersicht wohl an all dem nichts dran ist, so lebt das Ungeheuer Lucrezia Borgia doch fort in unseren Köpfen, kolportiert auch von Victor Hugos Schauspiel und...
In Tippetts letzter, in Deutschland noch nie aufgeführter Oper «New Year» (Neujahr) betritt die Anti-Heldin Jo-Ann laut Szenenanweisung die Bühne, «als ob sie von der Gewalt der Klänge draußen hereingeweht» wird. Die brutale, mit elektro-akustischen Effekten und reichlich Schlagwerk angereicherte Musik verebbt und weitet sich zu einer Gesangskantilene. «Safe,...
