Verdi: Aida
Alle Achtung! Alfred Kirchner geriert sich in seiner Freiburger «Aida» nicht selbstgefällig als «elder statesman» der Regie – er rollt vielmehr die Ärmel auf. Er beweist, sagen wir: soziokulturelle Kompetenz. Er sieht Verdis Oper, weit weg von Verona und jedwedem Kostümschutt, als verdächtig gegenwartsnahen Kampf der Kulturen.
Er bindet einen gänzlich hochkulturfernen multi-ethnischen Kindertrupp in die Vorarbeit ein und lässt ihn als poetischen Widerpart zum dröhnenden Kriegsgebrüll der von Priestermumien aufgewiegelten Massen agieren: ein utopisch-friedliches Miteinander bunten Volks, deutlich von der Konsumwelt eines (etwas banal-beliebigen) Supermarkt-Ambientes abgegrenzt (Bühne: Stefanie Seitz), mit Schiffschaukel, einer fulminanten Breakdance-Alternative zu Verdis Ballettmusik und einem Uralt-Grammophon samt ein paar krächzender Verdi-Takte als Kontrast zur «Live-Musik» der Großkopferten drüben.
So fern aller Arena-Plüsch hier, so nah sind die emotionalen Konflikte der Figuren und ihre seelischen Reaktionen – dank einer Personenregie von mitunter bestechendem Format. Kirchners Radames ist bei Alexey Kosarev wirklich einmal ein junger Mann, der sich vor Kampfesdrang ...
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