Zwei Enden der Geschichte
Als die Blendscheinwerfer verlöschen und der Nebel sich lichtet, schaut das Publikum ins Paradies. Der Schöpfer ist wohl eben ausgetreten, die Schaukel schwingt noch, aber leer. Auf den zweiten Blick erkennt man, wie künstlich das Paradies beschaffen ist. Schilf sprießt am Pool, rechts duckt sich eine Palme, Farn wedelt, Blumen recken die Köpfe nach ihrem Floristen. Kein Zweifel, hier hat ein Bühnenzauberer Natur gesampelt.
Eine dunkle Streicherwelle flutet das Gehör – Brahms, «Ein deutsches Requiem», Überwältigungsmusik, der Chor schwelgt in Vergänglichkeit von Herrlichkeit, «denn alles Fleisch, es ist wie Gras» – und dann plumpsen sie ins Bild. Vier Menschlein. Und staunen und starren und wissen nicht, was anfangen mit dieser Pracht.
Vom systematischen Zerfall einer Gesellschaft zu erzählen und die eigene städtische Community zumindest mitzumeinen, gehört zum Standardrepertoire deutschsprachiger Schauspielplaner. Aber selten genug dehnt ein mittelgroßes, von bürgerlicher Kulturbehaglichkeit durchaus zehrendes Stadttheater dabei die Grenzen des Publikumswirksamen so kühn und so gekonnt aus wie in Bern, wo Regisseur Ersan Mondtag mit der Autorin Olga Bach «Die Vernichtung» eines ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Stephan Reuter
Jede Bühnenästhetik ist ein Statement, sie sagt etwas über die Welt. In den Augen des Duos Pinter/Kruse war sie noch nie ein schöner Ort, sie war düster, bedrohlich, abgründig und paranoid. Wenn bei Pinter das Reale ins Surreale kippte, wurde es ungemütlich. Entgegenzusetzen war dem allenfalls das Rockige, dezidiert Ungebundene. Finster blieb es.
Das kleine Duo...
Andrzej Wajda: Ich habe nicht viel Zeit, verstehen Sie. Wer 90 ist, ist ein alter Mann. Deswegen beeile ich mich und denke schon an den nächsten Film. Solange ich stehen kann, ausreichend Kraft habe, um mich beim Filmteam durchzusetzen, solange werde ich drehen.
Donata Subbotko: Hatten Sie vor, so alt zu werden?
Wajda: Nein. Als der Krieg zu Ende ging, war ich 19,...
Die Zeitungen sind auch an dem Morgen, an dem dieser Artikel entsteht, voll. Voll von deutschen Waffen, die im Ausland töten. Jemen. Nordafrika. Ganz aktuell. Die Rüstungsindustrie auf dem Vormarsch. Kein Geheimnis, vielleicht ein Tabu, unsere Gewehre verkaufen sich nun mal gut. Besonders die aus Oberndorf, einem kleinen Ort in Schwaben, wo gleich zwei große...
