Berlin: Standleitung ans Götterohr

Goethe «Iphigenie auf Tauris»

Theater heute - Logo

Die berühmte Eingangswendung des Dramas ist ausgespart: «Das Land der Griechen mit der Seele suchend», sowas kommt dieser Iphigenie nicht mehr in den Sinn. Auf hohem Podest steht sie, die verschollene Tochter des Troja-Fahrers Agamem­non, die als Priesterin auf Tauris Unterschlupf gefunden und dem eingeborenen Volk das Menschenopfer abgewöhnt hat. 

Heimkehr, ins Land der Griechen, das scheint keine Option mehr zu sein.

Weil die Erfahrung der Heimatlosigkeit in unserer Zeit längst so universell geworden ist, dass sie keine Eigennamen mehr braucht? Das Land der Griechen, das Land der Syrer, das Land der Afghanen? Nein, so konkret will Regisseur Ivan Panteleev, gebürtiger Bulgare, den Goethe nicht ins Heute hieven. Seine Iphigenie sinnt ferner, aus einer radikalen existenziellen Ortlosigkeit heraus.

Der Eingangsmonolog ist absolviert und der flache, tiefschwarze Bühnenkasten, der das altargleiche Podest einrahmt (markenmäßig von Ausstatter Johannes Schütz ins Proszenium des Deutschen Theaters eingepasst), wird mit weißer Deckenfarbe getüncht. Die Farbe der Neutralität und des Friedens auf düsterem Grund. Die Spieler streichen sie sich auch auf Stirn und Schopf. Und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 61
von

Weitere Beiträge
Der Sprachschrotthändler

Erinnert sich noch jemand an Werner Schwab? Den Grazer Radikaldramatiker Anfang der Neunziger, der wie Phönix aus der steirischen Asche stieg, in drei Jahren anderthalb Dutzend Stücke schrieb und sich in der Silvesternacht 1994 35-jährig zu Tode trank? Gelegentlich stehen noch seine «Präsidentinnen» auf einem Spielplan als unkaputtbare Klokomödie mit drei...

Premieren im Dezember

Daten 

Aachen, Grenzlandtheater
15. Clark und Goodall, Love Story
R. Ulrich Wiggers

Aachen, Theater
2. Greig, Die Ereignisse
R. Ludger Engels

Baden-Baden, Theater
18. Murray-Smith, Switzerland
R. Odette Bereska

Bamberg,
E.T.A.-Hoffmann-Theater
31. Labiche, Das Sparschwein
R. Ronny Jakubaschk

Basel, Theater
10. Tschechow, Drei Schwestern
R. Simon Stone

Berlin...

«Wir gehören zu Europa, zum Westen»

Andrzej Wajda: Ich habe nicht viel Zeit, verstehen Sie. Wer 90 ist, ist ein alter Mann. Deswegen beeile ich mich und denke schon an den nächsten Film. Solange ich stehen kann, ausreichend Kraft habe, um mich beim Filmteam durchzusetzen, solange werde ich drehen. 

Donata Subbotko: Hatten Sie vor, so alt zu werden?
Wajda: Nein. Als der Krieg zu Ende ging, war ich 19,...