Zürich/Bern: Verlegenheitsritte
Ein Schwein rast durch Brüssel. Es ist nicht sicher, ob es ein Einzelschwein ist oder eine ganze Herde, noch nicht einmal, ob es das Schwein wirklich gibt oder ob es nicht doch ein Phantomschwein ist.
Aber es wirbelt Europas «Hauptstadt» im buchpreisgekrönten Roman von Robert Menasse gehörig auf – im Verbund mit einer Reihe weiterer mehr oder weniger durch- und einsichtiger Geschehnisse im Verlauf regnerischer Tage, dem präzisen Fehlschuss eines christlichen Untergrundkämpfers aus Polen etwa oder den nicht so präzisen Ideen für ein Europa-Jubiläum der Union, Ideen zur Überwindung der Nationalstaaten vor der mahnenden Folie von Auschwitz und als Kontrapunkt dazu ein zunehmend bedrohlich wirkender Demonstrationsaufmarsch des europäischen «Volks».
Die Perspektive wechselt fortwährend: Das macht viel vom Reiz in Menasses «Hauptstadt» aus, dass er wie in einem Kaleidoskop an einer Vielzahl von Orten eine Vielzahl Figuren durcheinander schüttelt. Für ein Theater wie das Neumarkt mit seinem kleinen Ensemble ist das eine Herausforderung – Tom Kühnel begegnet ihr in dieser Uraufführung mit heftiger Überzeichnung.
Da wird polnisch genäselt und österreichisch geknödelt, der Schweinezüchter ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Andreas Klaeui
Der Start von Wilfried Minks’ Theaterlaufbahn lag im sprichwörtlichen Kleinstrollendorado, in Wurzen (Sachsen). Dort wurde der 1930 im 200-Seelen-Dorf Binai in Tschechien geborene und nach dem Krieg mit seiner Familie vertriebene Bauernsohn mit 17 Jahren «Stift», also Lehrling des Theatermalers am örtlichen Boulevardtheater: ein Saal mit 350 Plätzen und Premieren...
Aachen,
Grenzlandtheater
25. Christa, Agilo und Dangl,
Winterrose
R. Udo Schürmer
Aalen, Theater der Stadt
14. Zeh, 203
R. Marcus Krone
28. nach von Bassewitz,
Auf zum Mond
R. Sigfried Hopp
Altenburg/Gera, TPT
22. Kling, Die Känguru-Chroniken
R. Alexander Flache (Gera)
Annaberg, Eduard-von-
Winterstein-Theater
8. Kleist, Das Käthchen von Heilbronn
oder Die Feuerprobe
R. Tamara...
Übertriebene Sentimentalität kann man der Großmutter, bei der die Zwillinge aus Agota Kristofs Roman «Das große Heft» die Kriegsjahre überdauern, wahrlich nicht vorwerfen. Die Alte – im Ort schlicht «die Hexe» genannt – pflegt grausame Lebenseinsichten grundsätzlich unter genüsslichem Hohngelächter zu äußern, je nach Anlass gern auch mit begleitendem...
