Im Grusel-Loop
Von Zögling Törless über Hanni und Nanni bis zu Harry Potter – literarisch bis popkulturell reich aufgeladen ist die Institution Internat seit jeher mit Jugendabenteuern und Missbrauchs-Vorstellungen.
Internate sind Kaderschmieden und Netzwerkstätten verhaltensgestörter Rich Kids, noble Edelsportstätten, paramilitärische Abrichtungsanstalten – aber vor allem gelten sie als autoritäre Orte des «kollektiven Sadismus», wie der Literaturkritiker Hellmuth Karasek, einst Schüler der Nazi-Erziehungsanstalt für Führungskräfte nach dem Endsieg, im Dokumentarfilm «Herrenkinder» zu Protokoll gab.
Am Theater Dortmund macht Ersan Mondtag aus dem reichen Assoziationskonglomerat der Vorlage eine einzige düstere Weltmetapher. Sind wir nicht alle Internatsschüler, eingeschlossen im Höllenschlund der Welt, gemobbt, ausgestoßen, Soldaten des Drills, bis wir endlich selbst die Waffen in die Hand bekommen? Mit fast schon kindlichen Geisterbahn-Pappmaché-Mitteln und Zeichnungen, die an das Vinge/ Müller-Universum erinnern, hat Mondtag, der auch hier sein eigener detailverliebter Bühnenbildner ist, in Dortmund ein archaisches Horror-Setting mit wohlkalkulierten Gruseleffekten aufgebaut.
«Zwielicht» als ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Dorothea Marcus
In der Mitte des Films sagt einer der beiden immer wieder auftauchenden, stets zufrieden feixenden Herren im Anzug zum anderen: «Sie glauben, Sie können Vergangenheit so darstellen, wie sie wirklich war?» Der Angesprochene, gespielt vom ehemaligen Intendanten der Münchner Kammerspiele Johan Simons, trägt anlässlich eines Maskenballs kurz nach dem Zweiten Weltkrieg...
Die Tochter ist nicht glücklich mit ihrer neuen Heimat: Die Eltern, Deutschtürken der zweiten Generation, sind mit ihr wie jedes Jahr in den Ferien nach Adana in die Südtürkei gefahren, ins Eigenheim «in der Nähe einer Airbase», um ihr am letzten Urlaubstag zu eröffnen, dass es nicht zurück nach Deutschland gehen wird. Die Mutter macht eine Physiotherapiepraxis...
Ich traf ihn – Wilfried Minks – in Berlin, wenige Tage vor der Premiere zu Hochhuths «Soldaten», er machte dort das Bühnenbild. Man hatte munkeln gehört, dass der Autor nicht gerade entzückt gewesen sei, als er bei den Proben zum ersten Mal Minks’ Bühne sah, er hatte sich, man kann das auf vielen Seiten Szenen-Beschreibung in der Buchausgabe nachlesen, alles viel...
