Zertrümmert wie Geröll
(1) Schalte den Fernseher aus. Schließ alle Medien und alle sozialen Netzwerke, die darauf angelegt sind, deine Gefühle aus kapitalistischen Motiven aufzustacheln. Öffne keine Videos, die dir deine Freunde privat schicken. Wenn sie etwas geschickt haben, dass sie im Innersten erschüttert hat, sind sie von vornherein nicht deine Freunde gewesen.
Wenn du ein zu grausames Bild von vergewaltigten Frauen gesehen hast, von entführten alten Menschen oder von verbrannten Leichen, wirst du innerlich zusammenbrechen, aber du musst dich erinnern: Auch auf der anderen Seite der Grenze gibt es Mütter.
(2) Bleibe auf dem Laufenden. Ignoranz ist kein humanistisches Prinzip und es hat keinen Sinn, sich der Tatsache zu entziehen, dass inhuma -ne Dinge jeden Tag geschehen. Jeder angehende Humanist weiß, dass die Welt kein Süßigkeitengeschäft ist. Erweitere dein Wissen, lies, hör zu, aber nur Medien, die nicht visuell sind. Kriegspornos kitzeln die Rachegöttin unter den Achseln, an den Fußsohlen und in den Rundungen der Taille, und von dort ist der Weg, kein Humanist mehr zu sein, kurz.
(4) Sprich mit deiner Freundin, deren Sohn entführt wurde, deren Mutter bei lebendigem Leib verbrannt wurde, deren ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Maya Arad Yasur
Max Reinhardt war 44 Jahre alt, verheiratet mit Else Heims, der klassischen Ersten Liebhaberin seines Ensembles, war Vater zweier Söhne sowie einer unehelichen Tochter aus einer Affäre mit einer Sängerin, als er sich 1917 in die ebenfalls verheiratete Helene Thimig verliebte, die er 1913 entdeckt und vom Königlichen Schauspielhaus an sein Deutsches Theater...
«Trau keinen Männern! Falsch sind sie alle!» Das musste Anna Bergmann nicht hineinschreiben in ihre Neuinszenierung von «Romeo und Julia». Denn es steht schon bei Shakespeare. Julias Amme sagt es, in ihrer Totenklage um Julias Vetter Tybalt. Aber es bleibt leider aktuell, wie etwa das Stück «Montag» zeigt. Dort verstecken sich Faith und Novella in einer...
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