Vorläufiger Konsens

Der Diskurs über Antisemitismus hat sich nach dem 7. Oktober verschärft: die Veranstaltung «Reclaim Kunstfreiheit» zu Antisemitismus im deutschen Kultur- betrieb und ein «Streitraum» an der Schaubühne zur Situation im Nahen Osten

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Der 7. Oktober datiert zukünftig das größte Pogrom gegen Jüd:innen seit der Shoa – noch dazu in Israel, dem Land, das zum Schutz jüdischen Lebens gegründet wurde. Das Versagen von Regierung, Militär und Geheimdiensten potenziert die Retraumatisierung der Bevölkerung. Noch ist nicht abzusehen, wie tiefgreifend das Massaker und seine gewalt(tät)igen Folgen die Welt verändern werden. Die militärische Antwort Israels, seine massive Bodenoffensive in Gaza, hat mittlerweile über mutmaßlich 10.

500 – zumeist zivile Opfer und Kinder – gefordert und überschreitet dabei rücksichtslos die Grenzen der Humanität.

Der Krieg im Nahen Osten wird auch an geopolitischen Fronten geführt und setzt sich medial fort. Das Ausmaß an antisemitischen Übergriffen in Deutschland wie auch die Bereitschaft der Kunst- und Kulturlandschaft, sich polarisieren zu lassen, Zusammenhänge zu vereinfachen, Empathie und Ambivalenzen auszublenden, hat allerdings eine neue Dimension angenommen.

Wer ist die «jüdische Community»?
Unter dem Titel «Reclaim Kunstfreiheit. Antisemitismuskritik, Kunst & Kultur» startete am 10. Oktober, nur drei Tage nach dem Massaker, eine insgesamt einwöchige Veranstaltungsreihe an wechselnden ...

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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Anja Quickert

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