Zampano gesucht

Claudia Roths Desavouierung des Berlinale-Kurators Carlo Chatrian ist ein klares Votum gegen die Kunst

Theater heute - Logo

Sponsoren weg, Geld weg, Kinos weg, das große Hollywood-Kino schon lang nicht mehr da, jetzt ist auch das Leitungsteam auf und davon: Die Berlinale ist in der Polykrise, gelinde gesagt. Zu behaupten, dass allein Claudia Roth die Schuld daran trägt, wäre nicht fair. Aber falsch gemacht, was man falsch machen kann, hat sie schon. Wer rekonstruieren will, wie alles kam, muss mit Dieter Kosslick beginnen.

Gelernter Sozialdemokrat, ein Mann aus der Filmpolitik, keine Ahnung von ästhetischen Fragen, aber begabt mit jener untergriffigen Leutseligkeit, die in Deutschland da, wo es zählt, bei den Geldgebern aus Politik und Wirtschaft nämlich, bestens ankommt.

Neunzehn Jahre hat er die Berlinale geleitet, eifrig Geld akquiriert, sinnlose Nebenreihen nach eigenem Gusto («kulinarisches Kino») geboren und den Ruf des Wettbewerbs unter jenen, die sich tatsächlich für das Kino als Kunst interessieren, so ziemlich komplett ruiniert. Es gab gute unter seinen Berater:innen, darum immer auch Filme, die state of the art waren, aber im Gesamttableau sah man stets, dass hier einer in Inhalt und Form richtungslos, dafür sehr offen für die Einflussnahmen der deutschen Filmbranche war. Letzteres ist zwar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Ekkehard Knörer

Weitere Beiträge
Das Ding mit der Brille

Als sie erfuhr, sie werde die erste außereuropäische Programmdirektorin von Theater der Welt, bestimmte die Corona-Pandemie noch das Geschehen. Chiaki Soma, eine der wichtigsten Produzentinnen und Festivalmacherinnen Asiens, saß in Tokio fest und dachte über mögliche Schwerpunkte nach, die in zwei Jahren das Festival prägen sollten, das vom Zentrum Bundesrepublik...

Nicht an Wunder glauben

Gleich sieben Mal stirbt die Schauspielerin in diesem Stück. Schon in der ersten Szene wird sie beim Grenzübergang aus der Ukraine von einer Gruppe Flüchtender erschlagen, die ihr ihre Mitwirkung in genau den russischen Fernsehserien verübeln, die sie selber früher begeistert konsumiert haben. Dass eine Flüchtende aus Butscha mit besonderer Wut auf die...

Jetzt wird’s schmutzig

In einer zentralen Szene von Benjamin von Stuckrad-Barres vor einem halben Jahr erschienenem Roman «Noch wach?» wird eine Baustelle besichtigt. Der Verleger des im Buch als Fernsehsender beschriebenen, aber verhältnismäßig klar als teiljournalistischer Mischkonzern Springer erkennbaren Medienunternehmens führt seine Untergebenen durch den Rohbau der neuen...