Zirkel, Keil, Kreis
Was macht der Mond über Soho? Er leuchtet, scharlachrot. Schwebt aber nicht liebevoll-frei, besänftigend über Menschen und Dingen. In ihm steckt ein Stachel, auch rund um den Himmelskörper gruppieren sich farbige Figuren, denen das Sentimental-Sehnsüchtige abgeht. Sie alle sind Teil eines Bühnenbildes von Magda Willi, das dem Suprematismus nachempfunden ist und die Welt in abstrakte geometrische Formen einteilt – in Zirkel, Keil, Kreis.
Auf diese projiziert Sébastien Dupouey in rasanter Folge Videos mit Bezug auf die vielfältigen künstlerischen, mehr aber noch politischen, sozialkritischen Topoi der Entstehungszeit jenes Stückes, das beim Festival d’Aix-en-Provence unter dem charmanten französischen Titel «L’Opéra de quat’sous» gezeigt wird, in der Neuübersetzung von Alexandre Pateau – und mit einem bislang unedierten Chanson für Celia Peachum.
Leider ist Letzteres ein entbehrliches Stück Musik, weder besonders originell noch stilistisch angemessen. Aber es passt zu einem Abend, an dem Regisseur Thomas Ostermeier weder die zartbittere Ironie noch die subversive Kraft findet, die die «Dreigroschenoper» auch beinahe hundert Jahre nach ihrer Uraufführung besitzen sollte, sprich: ihre ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Otten
In einer zentralen Szene von Benjamin von Stuckrad-Barres vor einem halben Jahr erschienenem Roman «Noch wach?» wird eine Baustelle besichtigt. Der Verleger des im Buch als Fernsehsender beschriebenen, aber verhältnismäßig klar als teiljournalistischer Mischkonzern Springer erkennbaren Medienunternehmens führt seine Untergebenen durch den Rohbau der neuen...
Fast verwehte Spuren» nannten Albert Klein und Raya Kruk 1994 ihren Versuch, das Leben und die künstlerischen Wege des jüdischen Schauspielers Alexander Granach darzustellen, der 1933 emigrieren musste, in Warschau, in der Ukraine und Russland in jiddischer, polnischer und russischer Sprache Theater spielte, 1937 in die Schweiz ausreisen konnte und rechtzeitig vor...
Vorhang auf!» Unter diesem Titel läuft im Rupertinum, schräg vis-à-vis von den Festspielhäusern, derzeit eine Ausstellung mit Theaterfotografien von Ruth Walz, die von 1976 bis 1990 Hausfotografin der Schaubühne war. Der Schwerpunkt der Schau (bis 12. November) liegt naheliegenderweise auf Aufführungen der Salzburger Festspiele, wo Walz in den vergangenen 30 Jahren...
