Wofür es sich zu leben lohnt

Zwischen Bürgermoral und Sinnenfreude: Erfahrungen mit «Emilia Galotti» in Oberhausen, Schnitzlers «Das weite Land» und Vinterberg/Rukovs «Die Kommune» in Wien. Inszenierungen von Herbert Fritsch, Alvis Hermanis und Thomas Vinterberg

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Neulich hat ein Wiener Philosoph wieder eine Kulturrevolution ausgemacht. Seit Mitte der Neunziger beobachtet Robert Pfaller einen öffentlichen «Beleuchtungswechsel». Dabei geht es um die ziemlich zentrale Frage, «wofür es sich zu leben lohnt», und vor allem um bedeutende Verschiebungen, was die allgemein akzeptierten Antworten betrifft: «Objekte und Praktiken wie Rauchen, Alkoholtrinken, Sexualität, die bis dahin glamourös, elegant und großartig lustvoll erschienen, werden seither als eklig, gefährlich und politisch fragwürdig wahrgenommen.

» Die Sache hat auch eine demografische Komponente. Wir leben immer gesünder und nachhaltiger, damit wir länger leben. Aber wofür wollen wir eigentlich so lange leben, wenn das Leben keinen Spaß mehr machen darf? Gesundes, freudloses Altern als Selbstzweck?

Folgt man Pfaller, müsste «Emilia Galotti» das Stück der Stunde sein. Von Tabak und Alkohol ist im Hause Galotti gar nicht erst die Rede, und Spaß an der Sexualität ist in diesem Trauerspiel der Grund allen Verderbens. Bekanntlich endet das Stück mit einem vernichtenden Triumph bürger­licher Tugend. Die hübsche Galottitochter, vom örtlichen Prinz umworben, bittet ihren Vater, sie doch ...

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Theater heute November 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 16
von Franz Wille

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