Wofür es sich zu leben lohnt
Neulich hat ein Wiener Philosoph wieder eine Kulturrevolution ausgemacht. Seit Mitte der Neunziger beobachtet Robert Pfaller einen öffentlichen «Beleuchtungswechsel». Dabei geht es um die ziemlich zentrale Frage, «wofür es sich zu leben lohnt», und vor allem um bedeutende Verschiebungen, was die allgemein akzeptierten Antworten betrifft: «Objekte und Praktiken wie Rauchen, Alkoholtrinken, Sexualität, die bis dahin glamourös, elegant und großartig lustvoll erschienen, werden seither als eklig, gefährlich und politisch fragwürdig wahrgenommen.
» Die Sache hat auch eine demografische Komponente. Wir leben immer gesünder und nachhaltiger, damit wir länger leben. Aber wofür wollen wir eigentlich so lange leben, wenn das Leben keinen Spaß mehr machen darf? Gesundes, freudloses Altern als Selbstzweck?
Folgt man Pfaller, müsste «Emilia Galotti» das Stück der Stunde sein. Von Tabak und Alkohol ist im Hause Galotti gar nicht erst die Rede, und Spaß an der Sexualität ist in diesem Trauerspiel der Grund allen Verderbens. Bekanntlich endet das Stück mit einem vernichtenden Triumph bürgerlicher Tugend. Die hübsche Galottitochter, vom örtlichen Prinz umworben, bittet ihren Vater, sie doch ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 16
von Franz Wille
Es ist ein strahlender Herbsttag in Wien – aber so sonnig ist es nun auch wieder nicht, dass man die Brille das ganze Gespräch über aufbehalten müsste. Zumal das Treffen im abgedunkelten Erzherzogzimmer im Burgtheater stattfindet. Und der Porträtierte nicht der New Yorker Musiker Lou Reed ist, sondern der Wiener Schauspieler Johannes Krisch.
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Als am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt wurde, zeichnete sich schnell ab, dass sich die politischen Verhältnisse kaum verändern würden: Die erstarkte SPD unter Ministerpräsident Erwin Sellering und die geschrumpfte CDU arbeiten an einer Fortsetzung der Koalition. Allerdings galt schon vor der Wahl als sicher, das Kultusminister...
