Wir sind auch nicht nur Menschen
Emilia heißt das Neugeborene, dessen Kollektiv-Co-Mutter ich gerade geworden bin. Ihr Geschlecht hat ein Zufallsgenerator bestimmt. Zuvor wurden wir, das Online-Publikum von Interrobangs theatraler Zoomkonferenz «Livestream: Familiodrom», nach der Intensität unseres Kinderwunsches und dem sozio-ökonomischen Milieu befragt, in das das potenzielle neue Leben hineinwachsen würde: bürgerliche Mitte, überwiegend weiß, und mäßig enthusiastisch, was Fortpflanzung betrifft.
Aber jetzt ist Emilia da, benannt nach dem ersten pädagogischen Bestseller, der gleich nach seinem Erscheinen 1762 verboten wurde: «Émile ou de l’Éducation».
Immer wieder kommt die Performance auf den französisch-schweizerischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau zurück, der in seinem Werk vor allem ein Fernhalten des Beispielkindes Émile von den sozialen Rollen und Konventionen der Gesellschaft und ein möglichst «naturbelassenes» Aufwachsen auf dem Land proklamierte. Nicht ohne gewisse Widersprüche zu erwähnen, die Rousseaus Kompetenz durchaus schmälern könnten wie der Umstand, dass er die fünf Kinder, die er mit seiner Partnerin Thérèse Levasseu zeugte, allesamt direkt ins Waisenhaus gab. Werden wir als ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 48
von Eva Behrendt
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