«Paria, lumpen, mercenaria»
Ich habe es nie verstanden, als sie einmal zu mir sagte, sie wolle nie wieder das Land betreten, in dem sie geboren wurde. Es wollte mir einfach nicht in den Kopf. Ich wusste nicht, ob es schlicht eine Flucht war, ob es ums Überleben ging, oder ob es nur der Versuch war, einen Schlussstrich zu ziehen.
Oder machte es am Ende doch Sinn, nie wieder nach Hause zurückzukehren? Versuche ich, in einem Gelände Tritt zu fassen, in dem feste Schritte unmöglich sind? Ein Terrain, in dem der einzige feste Schritt darin bestehen kann, sich bewusst zu machen, dass es eben keinen festen Boden gibt, sondern nur Abgründe?
Meine Freundin singt ein Lied, am 27. November 2020, vor dem Kulturministerium in Havanna. Hunderte von Künstlern und Intellektuellen treffen sich dort. Einige können nicht kommen, weil die Geheimpolizei das Gelände abgesperrt hat oder sie vom Pfefferspray neutralisiert wurden. Aus dem fernen Berlin verfolge ich jedes einzelne Detail. Seit drei Tagen habe ich nicht mehr geschlafen. Sorgfältig höre ich mir jede der Nachrichten an, die meine Freundin mir schickt. Sie hat Angst, verprügelt zu werden. Sie sagt: Ich habe auch Angst, weil meine Mutter hier ist, und ich nicht will, dass ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: International, Seite 26
von Ricardo Sarmiento Ramirez
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