Willkommen in der Kompostmoderne
Wäre Covid-19 so tödlich wie die Pest, würde sich wohl noch der verpeilteste Aluhutträger lieber heute als morgen impfen lassen. Man kann die Krankheiten also nur sehr bedingt miteinander vergleichen. Dennoch sind Pest-Romane die Bücher der Stunde; das gilt auch für Mary Shelleys «The Last Man» von 1826, der passenderweise erst Anfang des Jahres in einer neuen deutschen Übersetzung erschienen ist. Die Handlung ist im späten 21. Jahrhundert und in England angesiedelt, wo erst kürzlich der König abgedankt hat und die Demokratie eingeführt wurde.
In der zweiten Hälfte des Romans wird die Welt dann von einer verheerenden Pestepidemie heimgesucht, der nach und nach die gesamte Menschheit zum Opfer fällt – bis am Ende nur noch der Ich-Erzähler Lionel am Leben ist: Einer muss das alles ja schließlich aufschreiben.
«Der letzte Mensch» ist insgesamt bereits der vierte Roman, den Regisseur Alexander Eisenach in Graz auf die Bühne gebracht hat. Wobei man das diesmal eigentlich gar nicht so sagen kann: Der Titelzusatz «nach dem Roman von» ist hier eher als Zeitangabe zu verstehen; wenn die Inszenierung beginnt, sind seit dem Ende der Romanhandlung einige Jahrzehnte vergangen. Der letzte ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Wolfgang Kralicek
Das letzte Abendmahl ist ärmlich, die Nachthemden sind knöchellang, die Bärte falsch, Choräle klingen schief, und der Teufel sitzt auch mit am Tisch. Das kann nur ein religiöses Laientheater werden. Die Souffleuse kommt als schlüsselschwingende Krankenschwester auf die Bühne. Im Irrenhaus sind wir also, wie bei Peter Weiss’ «Marat/Sade». Robert Borgmanns Bochumer...
Eines muss man den Putins, Lukaschenkos und Erdogans dieser Welt lassen: Sie vergiften Oppositionelle derart öffentlichkeitswirksam oder sperren sie derart sichtbar weg, dass die ganze Welt es mitbekommt. In Lateinamerika ist das seit den dunklen Jahren der Militärdiktaturen in Ländern wie Chile, Argentinien und Brasilien etwas anders. Dort ließ und lässt man...
Ein Zaubertrick zum Festivalauftakt: Performerin und Tänzerin Maija Karhunen liegt auf der Bühne zwischen kreisenden Lichtkegeln und fischt nach Objekten: Schal, Notizbuch, Feuerzeug – allesamt im Foyer vom eintrudelnden Besucher eingesammelt, der da schon ahnen konnte, in «Ajima» selbst noch eine Rolle zu spielen. Karhunen greift Gegenstände, findet die...
