Willkommen im Hotel der Wasser-Wunder!
Dieses Grandhotel hat schon bessere Tage gesehen. Ohnehin erinnert es mit Schwingtüren und Holzvertäfelung eher an einen Westernsalon als an ein Hotel der gehobenen Art. Aber man muss zugeben: Die Lage ist wirklich einzigartig. Mitten im See gelegen, zu erreichen nur per Boot und über einen geschwungenen Metallleiter-Steg. Aber trotzdem: Irgendetwas ist merkwürdig.
Plötzlich blubbert das Wasser, und eine Musikcombo taucht auf wie ein Wrack bei der Bergung; die vier Herren zupfen die Saiten und hauen in die Tasten, als wäre es völlig egal, dass ihnen das Wasser aus Haaren, Kleidern und Instrumenten rinnt. Der Eindruck des Seltsamen verstärkt sich noch, als ein Boot um die Ecke biegt. Darauf eine siebenköpfige Hochzeitsgesellschaft, die ein Fährmann durch das Wasser stakt. Der sieht aus wie Charon, der Gestorbene ins Totenreich Hades schippert: das Gesicht unter einer riesigen schwarzen Kapuze versteckt, der Rücken gebogen, als trage der die Last der Welt. Kaum sind Brautpaar, Brautvater und die Gäste über die Metallleiter geklettert, erscheinen auch noch ein tatteriger Kellner und ein Rezeptionist; beide begrüßen die Damen und Herren zwar sehr herzlich, aber der Rezeptionist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Valeria Heintges
Also! Wir gehen? – Gehen wir!» Sie gehen nicht von der Stelle. So endet Samuel Becketts «Warten auf Godot». Sie sind doch gegangen in Bochum, in Ulrich Rasches Inszenierung, und wie! Fast vier Stunden lang schleichen Vladimir und Estragon auf den unmerklich die Richtung wechselnden Drehscheiben dahin. Ja, sie kommen nicht von der Stelle. Und dass sie dennoch gehen,...
Ein Windhauch weht durch die bunten Girlanden über der Freilichtbühne der Jenaer Kulturarena, während das siebenköpfige Ensemble vom Bühnenrand leise sein Good-bye singt. Und dann fängt es auch noch an zu regnen. Ein etwas kitschiger Abgang. Doch es wäre nicht das Jenaer Ensemble, wenn es so gehen würde. Also noch einmal anders: Good-bye in Krautrock-Manier. Es...
In meiner kurzen Festrede werde ich überwiegend auf das chilenisch-deutsche Verhältnis in Deinem Festivalprogramm fokussieren, was nicht schmälern soll, dass sich Dein Programm der letzten 30 Jahre liest wie ein «Who is Who» der internationalen Theaterszene. Respekt, wie viele Künstler:innen aus der ganzen Welt Du nach Chile gebracht hast, wie viele chilenische...
