Fortschreitende Abstraktion
Also! Wir gehen? – Gehen wir!» Sie gehen nicht von der Stelle. So endet Samuel Becketts «Warten auf Godot». Sie sind doch gegangen in Bochum, in Ulrich Rasches Inszenierung, und wie! Fast vier Stunden lang schleichen Vladimir und Estragon auf den unmerklich die Richtung wechselnden Drehscheiben dahin. Ja, sie kommen nicht von der Stelle. Und dass sie dennoch gehen, verschärft nur den Stillstand. Vier Stunden bewegende Lähmung. Auf der Bühne bewegen sich Körper im Kreis, im Zuschauerraum Gedanken im Kopf.
«Nichts zu machen.» So beginnt «Warten auf Godot».
Eigentlich resigniert Estragon bei dem Versuch, seinen Schuh auszuziehen. In Bochum spielt sein Schuh keine Rolle. Die Resignation ist gegenstandslos, leer und universal. Rasches völlig requisitenlose Inszenierung verschärft durch Reduktion.
Wo man nichts erreichen kann, soll man nichts wollen, war das ethische Axiom von Becketts Lieblingsphilosophen Arnold Geulincx. Aber es genügt nicht, nichts zu wollen, wo man nichts wert ist, stellt schon der Held «Murphy» in Becketts erstem Roman fest. Und also müssen Vladimir und Estragon irgendetwas wollen, gehen, reden und gehen und gehen. In grauen Anzügen, in der immer gleichen ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Gerhard Preußer
Bernhard Stengele kommt vom Theater und war von 2012 bis 2017 Schauspielspieldirektor in Altenburg/Gera. Das Mitglied der Grünen wurde ab 2020 Landessprecher der Partei in Thüringen und nach einem Personalwechsel im Februar 2023 Umweltminister und stell -vertretender Ministerpräsident in Thüringen, worüber er in «Theater heute» 10/23 ausführlich gesprochen hat....
Wie schafft es einer, der betrügt, mordet, vergewaltigt und sich skrupellos bereichert, straffrei auszugehen, weil ihm kein einziges Verbrechen nachgewiesen werden kann? Klar, er hegt freundschaftliche Beziehungen zum obersten Polizeichef. Weswegen Macheath alias Mackie Messer, der am Galgen enden soll, gerade noch von der Queen höchstpersönlich begnadigt wird. Ein...
Dumpf ist das Volk und feierwütig. Dass sich die deutsche Geselligkeit unter Alkoholeinfluss gerne mal in Polonaisen Bahn bricht und dabei «Fiesta Mexicana» grölt, ist allgemein bekannt. Im Unterholz einer Berliner Grünanlage wirkt die Exotisierung der Migration im Deutschen Schlager allerdings besonders grotesk – eine Art Running Gag zwischen religiöser Prozession...
