Foto: Iko Freese

Wiebke Puls: Die schlichte Weisheit

Kluge Menschen brauchen keinen Anführer

Theater heute - Logo

Eines unserer abendlichen Bettkantengespräche eröffnete mein zehnjähriger Sohn mit dem Geständnis, er verstehe die Politiker nicht. Unsere Gesellschaft fuße doch auf drei Stämmen: der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Gewaltfreiheit? Die Politi­ker jedoch diskutierten in Begriffen, die sich weit von diesen Grundbegriffen entfernt zu haben schienen – Lenz blieb beim Bild des Baumes und sagte: «Die Gespräche haben sich verästelt, und jetzt diskutieren sie in den Zweigen und haben darüber den Stamm vergessen.

»

Mein kluges Kind. Du hast recht. Ich möchte, dass Du in einer Welt lebst, in der wir uns immer wieder auf unsere Wurzeln besinnen, während wir wachsen. «Ein starker Stamm», «Blühende Landschaften» – mit so paradiesischen Träumen machen sich Erwachsene schnell verdächtig. Und tatsächlich meinen sie damit oft eher ein Land, in dem Dollars aus den Knospen der deutschen Eiche sprießen und keine Träume.

Ich möchte mit Dir träumen. Ich träume nicht von einem Staat. Ich träume von einer Welt, in der wir Menschen uns als eins verstehen, weil wir gleich sind. In diesem Garten kann es keine Mauern geben. Freiheit bedeutet, dass jeder einen Anspruch auf dieselbe hat. Darin sind ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 30
von Wiebke Puls

Weitere Beiträge
Konstantin Küspert: alle menschen sind idealisten

der ideale staat ist kein staat, also keine gesellschaftsordnung, bei der einer bestimmten gruppe eine privilegierte stellung zukommt; sondern eine gemeinschaft gleichberechtigter idealisten ohne hierarchien und herrschaft.

die gesellschaft

alle menschen sind sich der abhängigkeit voneinander und von einer funktionierenden umwelt bewusst. um das zu erreichen, ist...

Matthias Pees: Ein Theaterschiff wird kommen!

Utopische Praxis liegt dem Theater (und vielen anderen, insbesondere kollektiven künstlerischen Prozessen) sicher näher als die Ausformulierung philosophischer und staatstheoretischer Konzepte. Wir sind keine Künstleraristokratien oder Philosophenstaaten, sondern Staats-, Stadt- und Welt-Labore, in denen einerseits alle Gegensätze und Pole ungebremst aufeinander...

Gegen das Halbgare

Gibt es das eigentlich: ein zugewandtes Wegschauen? Also so einen Moment, in dem sich der Kopf wegdreht und die Augen das Fenster an der Seite fixieren. Der Blick ist entrückt, wie man so sagt. Aber der Kopf ist weiter ganz da.

Sina Martens spricht und denkt und schaut, als suche sie dort draußen hinter dem Fenster nach einer höheren Genauigkeit, nach einer...