Foto: Iko Freese
Wiebke Puls: Die schlichte Weisheit
Eines unserer abendlichen Bettkantengespräche eröffnete mein zehnjähriger Sohn mit dem Geständnis, er verstehe die Politiker nicht. Unsere Gesellschaft fuße doch auf drei Stämmen: der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Gewaltfreiheit? Die Politiker jedoch diskutierten in Begriffen, die sich weit von diesen Grundbegriffen entfernt zu haben schienen – Lenz blieb beim Bild des Baumes und sagte: «Die Gespräche haben sich verästelt, und jetzt diskutieren sie in den Zweigen und haben darüber den Stamm vergessen.
»
Mein kluges Kind. Du hast recht. Ich möchte, dass Du in einer Welt lebst, in der wir uns immer wieder auf unsere Wurzeln besinnen, während wir wachsen. «Ein starker Stamm», «Blühende Landschaften» – mit so paradiesischen Träumen machen sich Erwachsene schnell verdächtig. Und tatsächlich meinen sie damit oft eher ein Land, in dem Dollars aus den Knospen der deutschen Eiche sprießen und keine Träume.
Ich möchte mit Dir träumen. Ich träume nicht von einem Staat. Ich träume von einer Welt, in der wir Menschen uns als eins verstehen, weil wir gleich sind. In diesem Garten kann es keine Mauern geben. Freiheit bedeutet, dass jeder einen Anspruch auf dieselbe hat. Darin sind ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 30
von Wiebke Puls
der ideale staat ist kein staat, also keine gesellschaftsordnung, bei der einer bestimmten gruppe eine privilegierte stellung zukommt; sondern eine gemeinschaft gleichberechtigter idealisten ohne hierarchien und herrschaft.
die gesellschaft
alle menschen sind sich der abhängigkeit voneinander und von einer funktionierenden umwelt bewusst. um das zu erreichen, ist...
Utopische Praxis liegt dem Theater (und vielen anderen, insbesondere kollektiven künstlerischen Prozessen) sicher näher als die Ausformulierung philosophischer und staatstheoretischer Konzepte. Wir sind keine Künstleraristokratien oder Philosophenstaaten, sondern Staats-, Stadt- und Welt-Labore, in denen einerseits alle Gegensätze und Pole ungebremst aufeinander...
Gibt es das eigentlich: ein zugewandtes Wegschauen? Also so einen Moment, in dem sich der Kopf wegdreht und die Augen das Fenster an der Seite fixieren. Der Blick ist entrückt, wie man so sagt. Aber der Kopf ist weiter ganz da.
Sina Martens spricht und denkt und schaut, als suche sie dort draußen hinter dem Fenster nach einer höheren Genauigkeit, nach einer...
