Wer hat die Hoheit?
Da steht es, das vielgepriesene Werk. Hoch auf der Statue, wie ein Denkmal. Die Taschenbuchausgabe von Albert Camus, «L’Étranger», «Der Fremde». Immer noch einen Gipsblock schichten die Schauspieler auf, um das Werk des Nobelpreisträgers in schwindelerregende Höhen zu hieven. Aber steht es da richtig, so weit oben?
Nein, sagt Mounir Margoum. Camus schreibt, Meursault bringe nach dem Tod seiner Mutter einen Araber um. Der hat ein Messer in der Hand, dessen Klinge das Sonnenlicht an Mersaults Stirn wirft wie ein «glühendes Schwert».
Meursault zieht den Revolver und schießt. Einmal, zweimal ... fünfmal trifft er den Araber. Auf Meursaults Verteidigung vor Gericht und seinen Gesprächen mit einem Priester baut Camus seine Theo -rie des Existentialismus auf. Auf dem Tod eines Arabers. Der hat nicht einmal einen Namen.
Er hieß Moussa. Sagt sein Bruder Haroun. Und erzählt einem stummen Gegenüber in einer Bar in Oran seine Geschichte. Als Gegendarstellung, «Contre-Enquête». «Meursault, contreenquête» heißt das schmale Bändchen von Kamel Daoud, für das der algerische Schriftsteller 2015 den Prix Goncourt du premier roman bekam und das 2016 als «Der Fall Mersault – eine Gegendarstellung» auf ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Valeria Heintges
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