Wenn Kunst zu viel Arbeit macht

Saisonfinale in Hamburg: Kornel Mundruczo verlegt Gerhart Hauptmanns «Weber» in die Welt der Sweatshops und Concept-Stores, am Schauspielhaus huldigt Herbert Fritsch dem Münchner Karl «Valentin»

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Unter Tage wird geschuftet. Nähma­schi­nen rattern, Zuschneideapparate kreischen, Ventilatoren surren, und aus dem fensterlosen Lagerhintergrund dringen diffuse Dröhn- und Stampfgeräusche. Neonröhren und vergitterte Fernsehbildschirme, über die der tschechische Trickfilm «Der kleine Maulwurf» flackert, spenden fahles Licht, zwischen Tischen und Raumteilern, Bleichbecken und Kisten voller Stoffballen und Garnrollen quetschen sich Maulwurfsmenschen an die Maschinen, vor allem: Kinder.

Sie vernähen Hosenbeine, färben Jeansstoffe, schlafen und kuscheln zwischendurch mit dem Hund, während ab und zu eine fette Ladung Theaternebel durch den Fabrikkeller dampft: Es gibt sie noch, die gute alte Manufakturarbeit. Ob es aber in den Sweatshops zwischen Rumänien und Bangladesch auch so romantisch-versifft zugeht wie auf der Bühne des Hamburger Thalia Theaters?

Mit dieser starken Szenerie eröffnet der ungarische Film- und Bühnenregisseur Kornel Mundruczo seine Inszenierung von Gerhart Hauptmanns «Die Weber». Jörg Pohl als Figurenmischung aus dem Weber Bäcker und Revolutionär Moritz Jäger tritt an die Rampe und bietet die gerade fertig genähte Jeans heiß von der Nadel der ersten Zuschauerreihe ...

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Theater heute Juli 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt

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