Weniger bringt mehr
Heute: Wirklichkeitsflimmern! Die Wirklichkeit ist von vornherein so beschaffen, dass man sofort mit ihr spielen möchte, auch als Kind. «Vater, Mutter und Kind» ist die Form für die unmittelbare Umsetzung häuslicher Frustrationen und Konflikte ins Spiel. Die Abbildung ist der erste Schritt zur Bewältigung. Dabei muss der Wirklichkeitsbezug unmittelbar und direkt sein. Mit der Nachbarstochter hat mir «Vater, Mutter und Kind» früher wenig Spaß gemacht, weil die Konflikte, die sie einbrachte, einfach nichts mit meinem Leben zu tun hatten.
Im Spiel mit ihr habe ich, wie man heute in den interaktiven Multimedia-Spielwelten sagen würde, ständig weggezappt. Kinder sind ungeduldige Zuschauer und Mitspieler.
Die so genannten «Realityformate» der Privatsender sind die Übersetzung dieser Kinderspiele in Entertainment für erwachsene Kinder. Heerscharen von Laiendarstellern bevölkern die Fernsehstudios. Fernseh-Privatdetektive, die eben noch echte Privatdetektive waren, hetzen, von Minikameras an der Sonnenblende ihrer Prachtkarossen beschattet, verdächtigen Personen hinterher, begehen fröhliche Akte von Hausfriedensbruch und rangeln mit gespielten Schwerverbrechern. In diesen ...
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Seit einem Jahr ist Sewan Latchinian Intendant der «Neuen Bühne» in Senftenberg. Abends ist es hier still. Der Senftenberger See, ein ausgekohltes ehemaliges Tagebaurevier (1973 auf staatliche Weisung geflutet), ist mit seinen 1300 Hektar Wasseroberfläche, Tiefe bis 19 Meter, der erste in einer sich weithin verflechtenden Seenkette, die diesem ausgepowerten...
Sehr geehrter Herr Detje,
wenn ich wirklich der Auftragskiller unserer Wahrnehmungsfähigkeit bin, dann sind Sie mir offensichtlich durch die Lappen gegangen. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit scheint mir nicht nur intakt, sondern sogar aufs höchste, beinahe neurotische zugespitzt. Ihren ultraverfeinerten Wahrnehmungsorganen haben Sie Nuancen abgerungen, die außer Ihnen...
Nicht versöhnt» hieß die Straub-Verfilmung von Heinrich Bölls «Billard um halb zehn» über das Sich-Arrangieren der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, die nie aufgehört hat, vom Sakrament des Büffels zu essen. Auf dem Brot der frühen Jahre und seinen hart gewordenen Krusten kaut Armin Petras herum, wenn er am Schauspiel Köln Ibsens Enthüllungsdrama «Die Wildente»...
