Von Whisky, Cadillacs und Poker

Unverwüstliche amerikanische 50er-Jahre-Stoffe cruisen auf Berliner und Dresdner Bühnen – John Steinbeck, Arthur Miller und Tennessee Williams in Inszenierungen von Armin Petras, Roger Vontobel und Sabine Auf der Heyde. Von Franz Wille

Im Sprechtheater wird traditionell viel geredet, oft zu viel. Aber dann fallen plötzlich Sätze, die ganze Romane überflüssig machen. «Ihr könnts euch nicht leisten, den Mut zu verlieren, ihr könnts euch einfach nicht leisten», ist so ein Satz. Genau genommen bedeutet das: Depression ist Luxus. Soweit muss man erst mal kommen. Wenn der Satz fällt, sind in John Steinbecks «Früchte des Zorns» schon ein paar hundert Seiten vergangen, und die Familiensaga der Joads Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts neigt sich immer tiefer in den Abgrund.

Auf dem Weg von ihrer überschuldeten und von Wind und Sand verwüsteten Farm ins gelobte Land Kalifornien wird alles nur noch schlimmer. Großvater und Großmutter sind nacheinander auf der Fahrt gestorben und verscharrt worden, die Tochter ist hochschwanger, der Schwiegersohn abgehauen, das Auto verreckt, das Geld alle, kein Job in Sicht, kein Dach überm Kopf und nichts zu essen. Was noch fehlt bis zum Ende des Buchs sind eine Fehlgeburt, ein toter Mann, eine Überschwemmung und ein biblisch offenes Ende. Mit Fleiß, christ­licher Moral und gutem Willen, so erzählt das ur­amerikanische Melodram, kommt man in der Wirtschaftskrise nur immer weiter ...

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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille

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