Christian im Wunderland

John von Düffel nach Tellkamp «Der Turm». Von Jürgen Berger

Schon im Herbst gab es in Dresden die von Armin Petras und Jens Groß eingerichtete
Uraufführung von Uwe Tellkamps «Der Turm». Dann zog Wiesbaden mit John von Düffels
Version nach. Während man sich in Dresden verständlicherweise auf die Künstler- und Ver-
leger- und damit auch auf die subkutane gesellschaftspolitische Struktur der DDR konzentrierte (siehe TH 11/10), zeichnet Düffels Adaption intimere Familiengeschichten nach und fokussiert auf die Biografien der Männer im Hause Hoffmann.

Immerhin weiß in Wiesbaden nicht unbedingt jeder, welche Dramen in DDR-Biografien vorprogrammiert waren.

Das ändert sich nun auch deshalb, weil man im Staatsschauspiel viel über Richard Hoffmann (Lars Wellings) erfährt, diesen Chirurgen, der sich eine Zweitfamilie hält und in Wiesbaden ziemlich blass wirkt. Was bleibt ihm auch anderes, ist er doch ein Mann der kleinen Fluchten, während Christian Hoffmann, dieser dezent musische Sohn des Hauses, auf seinem Weg ins Erwachsenenleben wie ein Träumer im Wunderland wandelt.

Michael von Burg spielt ihn als einen Heranwachsenden, der gerade noch die Härte der späten DDR zu spüren bekommt, aber doch ein staunendes Kind bleiben darf. Sieht man ihm zu, meint ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Jürgen Berger

Weitere Beiträge
Im Sog der Todeskrankheit

Es ist ein Gipfeltreffen besonderer Art, das der Audio-Verlag zur Feier des 80. Geburtstags des 1989 verstorbenen österreichischen Dichters und Dramatikers Thomas Bernhard am 9. Februar ausgerichtet hat. Fünf Großschauspieler – quasi die drei Tenöre des Sprechtheaters – stellen sich aus gegebenem Anlass seinen fünf auto­biografischen Erzählungen und treten so in...

Nachrufe

Im Dezember und Januar sind zwei langjährige Mitarbeiter von «Theater heute» gestorben.
Werner Schulze-Reimpell, ein Urgestein der deutschen Theaterkritik, noch bis vor wenigen Jahren ein unaufgeregter Beobachter jeder wichtigen (und vieler nicht so wichtiger) Premieren, schrieb für viele Blätter, gehörte zu den Mitbegründern des seit 1976 vergebenen Mül­heimer...

Programmhinweise für Februar

    Fernsehen


Dienstag, 1.
19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften: Maxim Gorki Theater Berlin – vorgestellt von Esther Schweins. Ein Film von Niels Negendank
19.30, Theaterkanal: Ursula Werner, Protagonistin des Gorki Theaters, im Gespräch
22.25, 3sat: FOYER – Das Theatermagazin mit Esther Schweins

Mittwoch, 2.
12.15, Theaterkanal: Woyzeck – von Büchner, mit Bernd...