Von Geistern und Untoten
Minutenlang liegen die Soldaten auf dem mit Steinen übersäten Hügel und stöhnen. Erst leise, dann immer lauter, intensiver. Sie sind irgendwo zwischen tot und lebendig. Dann kommen die Frauen, die Regisseurin Sahar Rahimi «die Insta-Girls» nennt. In pastellfarbenen Leggings und Bustiers, langhaarig, gestylt, clean, sauber, lächelnd. Sie beugen sich über die Leidenden, erst forschend, dann immer forscher. Legen sich neben sie, streicheln sie und beginnen plötzlich, sie zu quälen. Zerren an einem Arm, bis sie ihn, abgerissen, in der Hand halten.
Dem anderen reißen sie die Gedärme aus dem Bauch, schwingen sie wie ein Lasso. Eine filmt mit dem Handy. Am Ende stöhnen auch sie, aber es ist ein orgias -tisches Stöhnen.
Der Chor, sagt Chorleiterin Julia Kiesler im Programmheft, sei «eine Projektionsfläche für den Umgang des Westens mit dem Leid und der Gewalt, die uns umgeben». Meinen die das ernst? Meint das Regieteam, wir würden uns am Leid der Soldaten aufgeilen, uns wünschen, sie zu quälen? Und wenn dem so ist, meint sie, beim Sehen solcher Bilder würden wir diese unsere Haltung überdenken?
Eine seltsame Arbeit hat Rahimi für das Schauspiel Basel abgeliefert. Der Frauenchor aus fünf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Valeria Heintges
Es beginnt sehr laut, mit einem Auto-Crash – «Crash», so hieß Karsten Dahlems erster Kinolangfilm noch, als er bei den Hofer Filmtagen zum ersten Mal zu sehen war. Chrissi, Polizistentochter aus der badenwürttembergischen Kleinstadt Nußdorf, ist als Stuntfahrerin in einer Autoshow kollidiert, jetzt fährt die Profiraserin einen Rollstuhl, in dem sie in ihr...
Das ist doch mal konsequent: Sie habe «keine Lust mehr gehabt auf das eitle Kulturgedöns in der Hauptstadt», gibt die ehemalige Museumskuratorin Theta zu Protokoll. Und im Gegensatz zu vielen anderen Unlustbekennerinnen und -bekennern, die das «Gedöns» dann trotzdem noch jahrzehntelang weiter reproduzieren, hat Theta tatsächlich den Ausstieg vollzogen. Sie ist ins...
BERLIN, GEORG KOLBE MUSEUM bis 20.8., Tilla Durieux. Eine Jahrhundertzeugin und ihre Rollen
Anhand zahlreicher Kunstwerke von bedeutenden Künstler:innen und Dokumenten aus dem Nachlass Tilla Durieux’ wird ein Panorama des Lebens der Künstlerin sowie der Kulturund Theatergeschichte des 20. Jahr -hunderts erlebbar.
BERLIN, HOCHSCHULE FÜR SCHAUSPIELKUNST ERNST BUSCH...
