Vom Rand ins Zentrum
Sehr viel haben sie sich vorgenommen – nichts weniger als eine komplett veränderte Definition dessen, was Theater sein kann und sein soll. Dafür aber muss das Theater, wie es ist, zerstört werden – zunächst als Raum: Weg mit den historischen Sälen und der Teilung von Bühne und Zuschauerraum, in Südamerika in der Regel orientiert am alten «Teatro Italiano», gelegentlich sogar noch mit Mittel-Gängen zwischen den Parkett-Reihen, und her mit offenen Räumen von Spiel und Begegnung, Auge in Auge mit dem Publikum, das möglichst im Kreis um die Spieler:innen herum sitzt.
Weg auch mit Ensemble und Repertoire – das ist leicht zu bewerkstelligen in Latein- und Südamerika, wo beides extrem selten ist. Weg aber vor allem (und das ist auch hier wieder der erste Schritt!) mit der vertrauten, abgenutzten Sprache, dem Medium der Definition und Meinungshoheit – «Teatra» soll das alte «Teatro» irgendwann heißen, und die Entscheidungen über’s Programm trifft künftig weder Dramaturgin noch Dramaturg, sondern die «Travaturgia» …
Die Begriffe sind gewöhnungsbedürftig, außer womöglich für die Insider:innen, die an einem der Tage der Festival-Diskurse beieinander sitzen in der Bibliothek, die den Namen ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Michael Laages
Ein Sarg. Und ein Grab. Zwei Orte der Begegnung mit den Eltern, zwei Orte der Erforschung ihrer Lebensgeschichten in und für Deutschland (wie so viele Berliner Theaterabende in dieser Saison deutsche Familienbilder zeichnen). Die Gräber sind offen, die Ahnen untot. Ihr Denken, Fühlen und Handeln hat die Nachgeborenen tief geprägt.
Es sind zwei Theaterabende im...
Wenn es nicht mehr deprimierender geht, falsche Entscheidungen, Abschiedsschmerz, Tod, das volle verfluchte «Alkestis»-Programm, dann entsteht plötzlich auf der Bühne ein violett glitzernder Energie-Wirbelwind: Anne Rietmeijers Alkestis tanzt und tanzt, in den Lebensminuten, bevor sie für ihren Mann Admetos in den Tod gehen wird. Was soll sie auch tun, wenn als...
Das Wesen des Theaters besteht in der Vergröberung der Effekte, also muss man diese Effekte eben noch stärker vergröbern, sie unterstreichen, sie auf die Spitze treiben.» (Ionesco 1958) An diese Bestimmung des Theaters hat sich Johan Simons – sonst eigentlich nicht der Mann fürs Grobe – gehalten, nicht an das Verfahren der Uraufführung von Ionescos «Die kahle...
