Vom Rand ins Zentrum
Sehr viel haben sie sich vorgenommen – nichts weniger als eine komplett veränderte Definition dessen, was Theater sein kann und sein soll. Dafür aber muss das Theater, wie es ist, zerstört werden – zunächst als Raum: Weg mit den historischen Sälen und der Teilung von Bühne und Zuschauerraum, in Südamerika in der Regel orientiert am alten «Teatro Italiano», gelegentlich sogar noch mit Mittel-Gängen zwischen den Parkett-Reihen, und her mit offenen Räumen von Spiel und Begegnung, Auge in Auge mit dem Publikum, das möglichst im Kreis um die Spieler:innen herum sitzt.
Weg auch mit Ensemble und Repertoire – das ist leicht zu bewerkstelligen in Latein- und Südamerika, wo beides extrem selten ist. Weg aber vor allem (und das ist auch hier wieder der erste Schritt!) mit der vertrauten, abgenutzten Sprache, dem Medium der Definition und Meinungshoheit – «Teatra» soll das alte «Teatro» irgendwann heißen, und die Entscheidungen über’s Programm trifft künftig weder Dramaturgin noch Dramaturg, sondern die «Travaturgia» …
Die Begriffe sind gewöhnungsbedürftig, außer womöglich für die Insider:innen, die an einem der Tage der Festival-Diskurse beieinander sitzen in der Bibliothek, die den Namen ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Michael Laages
Nach ungefähr siebzig Minuten – wir bewegen uns aufs letzte Drittel von Bonn Parks «They Them Okocha» in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt zu – steht André Meyer allein auf der Bühne und beginnt zu tanzen. Er spielt Noah-Wilhelm, einen von vier Freunden, die sich in dieser Szene am unmittelbaren Übergang von der Spätpubertät zum Erwachsenenalter befinden,...
Günther Rühle war es, der sich am meisten für mich nach meinem Tod eingesetzt hat. Ich bin 1948 in Hamburg gestorben, aber er hat viel zu meiner Wiederauferstehung in Deutschland beigetragen. In «Theater für die Republik» im Spiegel der Kritik 1917–1925 und 1926–1933 (1967 und 1988 bei S. Fischer erschienen) schrieb Rühle, sein Ziel sei ein erster Versuch zu...
Körper, Körper, immer wieder Körper! Verletzbare, wütende, sich selbst neu definierende, gegen Zugriffe und Zuschreibungen kämpfende, und ja, auch sterbliche Körper … Die menschliche Existenz in ihrer physischen Ausprägung steht im Fokus des diesjährigen Festivals «Radikal jung». Zu Recht, ist der Körper doch – und daran kann keine KI rütteln – das widerständigste...
