Verlust ohne Reue
Um es gleich mal vorweg zu sagen: Hier geht es nicht um Unterschichts-Tristesse und Statusverlustängste von ehemals Besserverdienenden. Oder zumindest nicht so, wie man es in letzter Zeit gewohnt ist – gepaart mit trüben Aussichten und chronischer Weltuntergangsparanoia. In Sebastian Nüblings Münchner Kammerspiel-Inszenierung von «Endstation Sehnsucht» ist man gerade dabei, es sich in der Krise so richtig gemütlich zu machen – zu Recht, schließlich könnte es für länger sein.
Als Tennessee Williams in den wirtschaftlichen Aufbruchsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Erfolg als Dramatiker begründete, gab es zwar die Absteiger aus der verlorenen Selbstherrlichkeit der Südstaatenoberschicht, aber auch jede Menge potenzielle Aufsteiger aus der Masse der mittellosen europäischen Einwanderer. Manchmal begegnete man sich, beispielsweise in einem ärmlichen Appartement im französischen Viertel von New Orleans, für einen Moment voller Ressentiments, gegenseitiger Begehrlichkeiten und einer rauen Gier. Heute geht die Rutschpartie meist one way von oben nach unten. Man richtet sich ein, wo immer man vorübergehend Halt gefunden hat, ist doch nicht damit zu rechnen, dass es so bald ...
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Lieber, lieber, sehr verehrter Frank Castorf, bitte machen Sie doch einmal in Ihrem Leben eine Inszenierung, die nicht über zweieinhalb Stunden dauert. Ich schwöre Ihnen: Es würde meine Lieblingsinszenierung des Jahrzehnts, mindestens, denn dass Sie eigentlich ein wunderbarer Regisseur sind, das ist Ihrem fünfstündigen «Hofmeister» von und nach J.M.R. Lenz im...
Das Stück ist eine Irritation. Vor zwei Jahren hatte es seine Uraufführung in Kopenhagen, und schon damals muss es wie aus der Zeit gefallen gewirkt haben. Ein Eindruck, der nun, bei der deutschsprachigen Erstaufführung, noch stärker ist. Alexander Nerlich inszenierte Dejan Dukovskis «Leere Stadt» im Marstall-Theater des Bayerischen Staatsschauspiels in München,...
Ganz auf der Höhe der Zeit ist es nicht. Ein Körperscanner wurde nicht installiert auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses, die Justyna Lagowska einer Abfertigungshalle mit Raucherkabine, Gepäckband und Sitzbänken nachgebaut hat. Last Exit: Gefahrenzone. Leben im Wartestand. Denn die Paare und Passagiere heben ihre Häupter gen Himmel, von dem nichts Gutes...
