Verlust ohne Reue
Um es gleich mal vorweg zu sagen: Hier geht es nicht um Unterschichts-Tristesse und Statusverlustängste von ehemals Besserverdienenden. Oder zumindest nicht so, wie man es in letzter Zeit gewohnt ist – gepaart mit trüben Aussichten und chronischer Weltuntergangsparanoia. In Sebastian Nüblings Münchner Kammerspiel-Inszenierung von «Endstation Sehnsucht» ist man gerade dabei, es sich in der Krise so richtig gemütlich zu machen – zu Recht, schließlich könnte es für länger sein.
Als Tennessee Williams in den wirtschaftlichen Aufbruchsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Erfolg als Dramatiker begründete, gab es zwar die Absteiger aus der verlorenen Selbstherrlichkeit der Südstaatenoberschicht, aber auch jede Menge potenzielle Aufsteiger aus der Masse der mittellosen europäischen Einwanderer. Manchmal begegnete man sich, beispielsweise in einem ärmlichen Appartement im französischen Viertel von New Orleans, für einen Moment voller Ressentiments, gegenseitiger Begehrlichkeiten und einer rauen Gier. Heute geht die Rutschpartie meist one way von oben nach unten. Man richtet sich ein, wo immer man vorübergehend Halt gefunden hat, ist doch nicht damit zu rechnen, dass es so bald ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie war sehr klein. Sie war sehr groß. Sie war die Größte. Erna Baumbauer managte nur die Besten. Eine kleine, zierliche Frau, die sich auch von Regisseur Stephen Spielberg nichts sagen ließ, geschweige denn von irgendeinem Hollywood-Produzenten. Um ihre Schauspieler und Schauspielerinnen kämpfte sie wie eine Löwin. «Die Königin von Bayern», diesen liebevollen...
Im Fernsehen spielt Friedrich Gulda Mozart. Er trägt ein buntes Hawaiihemd und hat eine Muslimkappe auf dem Kopf. Gulda könnte, denkt man, weil er im Fernsehen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist, übertreiben. Der Gedanke kommt einem, weil andere klassische Klavierkünstler statt eines Hawaiihemdes meist ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug anhaben....
Der Demos», sagt Herfried Münkler, «ist aus einem Politikpartizipanten in einen staunenden Fernsehzuschauer verwandelt worden.» In ein für Populismus jedweder Art anfälliges Stimmvieh. Aus dem Volk ist eine Masse geworden, die sich lobbyistisch für Partikularinteressen zusammenfindet, ohne noch über ein Gemeinsames zu verfügen. So entsteht gewissermaßen ein neuer...
