Verkehrsfragen
Ganz auf der Höhe der Zeit ist es nicht. Ein Körperscanner wurde nicht installiert auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses, die Justyna Lagowska einer Abfertigungshalle mit Raucherkabine, Gepäckband und Sitzbänken nachgebaut hat. Last Exit: Gefahrenzone. Leben im Wartestand. Denn die Paare und Passagiere heben ihre Häupter gen Himmel, von dem nichts Gutes kommt, flehen in beträchtlicher Lautstärke – Spezialität dieser deutschsprachigen Erstaufführung – um Schonung und fragen ins Leere: «Warum bombardiert ihr uns? Wir sind die Guten.
» Das «Wir» lässt sich fix klären:
unsere rechtschaffene westliche Zivilisation mit ihren Errungenschaften wie Hedge Fonds, Frühstücksfernsehen, Gartencenter und Autos der Marke Turan oder Cayenne. Wer aber sind die ominösen «ihr»? Das belassen Mark Ravenhills episch formatierte Prä-Katastrophen-Episoden im Ungefähren. Irgendein islamischer Schurkenstaat oder Selbstmordattentäter-Zirkel wird es wohl sein, vor deren drohender Gewalt das Dutzend repräsentativer Kulturträger den Kopf einzieht.
Der Terror des anonymen Krieges und der Terror des Gefühls verbinden sich in «Shoot/Get treasure/Repeat» aufs Allgemeinste. Ravenhills sozialer und ...
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Im Fernsehen spielt Friedrich Gulda Mozart. Er trägt ein buntes Hawaiihemd und hat eine Muslimkappe auf dem Kopf. Gulda könnte, denkt man, weil er im Fernsehen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist, übertreiben. Der Gedanke kommt einem, weil andere klassische Klavierkünstler statt eines Hawaiihemdes meist ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug anhaben....
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