Verkehrsfragen
Ganz auf der Höhe der Zeit ist es nicht. Ein Körperscanner wurde nicht installiert auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses, die Justyna Lagowska einer Abfertigungshalle mit Raucherkabine, Gepäckband und Sitzbänken nachgebaut hat. Last Exit: Gefahrenzone. Leben im Wartestand. Denn die Paare und Passagiere heben ihre Häupter gen Himmel, von dem nichts Gutes kommt, flehen in beträchtlicher Lautstärke – Spezialität dieser deutschsprachigen Erstaufführung – um Schonung und fragen ins Leere: «Warum bombardiert ihr uns? Wir sind die Guten.
» Das «Wir» lässt sich fix klären:
unsere rechtschaffene westliche Zivilisation mit ihren Errungenschaften wie Hedge Fonds, Frühstücksfernsehen, Gartencenter und Autos der Marke Turan oder Cayenne. Wer aber sind die ominösen «ihr»? Das belassen Mark Ravenhills episch formatierte Prä-Katastrophen-Episoden im Ungefähren. Irgendein islamischer Schurkenstaat oder Selbstmordattentäter-Zirkel wird es wohl sein, vor deren drohender Gewalt das Dutzend repräsentativer Kulturträger den Kopf einzieht.
Der Terror des anonymen Krieges und der Terror des Gefühls verbinden sich in «Shoot/Get treasure/Repeat» aufs Allgemeinste. Ravenhills sozialer und ...
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In der Regel formulieren wir unsere Erwartungen für die nähere und fernere Zukunft auf der Grundlage von Linearitätserwartungen: Ein Mehr an Investition wird nach gewisser Zeit auch zu einem Mehr an Erträgen führen, mehr Wissen ist die Grundlage größerer Bildung, und dementsprechend erwarten wir auch von einer Politik der Demokratisierung eine Ausdehnung und...
Der Demos», sagt Herfried Münkler, «ist aus einem Politikpartizipanten in einen staunenden Fernsehzuschauer verwandelt worden.» In ein für Populismus jedweder Art anfälliges Stimmvieh. Aus dem Volk ist eine Masse geworden, die sich lobbyistisch für Partikularinteressen zusammenfindet, ohne noch über ein Gemeinsames zu verfügen. So entsteht gewissermaßen ein neuer...
Lieber, lieber, sehr verehrter Frank Castorf, bitte machen Sie doch einmal in Ihrem Leben eine Inszenierung, die nicht über zweieinhalb Stunden dauert. Ich schwöre Ihnen: Es würde meine Lieblingsinszenierung des Jahrzehnts, mindestens, denn dass Sie eigentlich ein wunderbarer Regisseur sind, das ist Ihrem fünfstündigen «Hofmeister» von und nach J.M.R. Lenz im...
