Mit dem Chaos kommt das Leben

Frank Castorf fällt zu Jakob Michael Reinhold Lenz’ «Der Hofmeister» im Zürcher Schiffbau ein Fünfstunden-Programm ein, Birgit Minichmayr stöckelt durch das «Das Interview» im Theater Neumarkt

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Lieber, lieber, sehr verehrter Frank Castorf, bitte machen Sie doch einmal in Ihrem Leben eine Inszenierung, die nicht über zweieinhalb Stunden dauert. Ich schwöre Ihnen: Es würde meine Lieblingsinszenierung des Jahrzehnts, mindestens, denn dass Sie eigentlich ein wunderbarer Regisseur sind, das ist Ihrem fünfstündigen «Hofmeister» von und nach J.M.R. Lenz im Zürcher Schiffbau durchaus anzusehen.

Schön wäre es nun auch, wenn wir aus dem Pub­likum die punktuelle Euphorie, die sich in überraschend großer Regelmäßigkeit einstellte (und uns damit leider auch vom Schlafen abhielt!!), in einem Zug durchhalten und durcherleben könnten. «Der Hofmeister» wäre dann nämlich wie eine ganz, ganz tolle Droge. So ist er wieder einmal eine virtuose Publikumszermürbung. Ist es wirklich das, was Sie wollen?
 

Paradiesvisionen Marke Castorf

Nun, es ist nicht anzunehmen, dass Frank Castorf, dieser stets übervolle und unmäßige Rosinenbomber des großen Assoziationstheaters, sich diesen Wunsch jemals zu Herzen nehmen würde. Obwohl ihm gerade Lenzens Hofmeister vormacht, wie es geht mit der Selbstbescheidung durch Selbstbeschneidung. Und dass man danach trotzdem ganz glücklich sein kann und auch noch mit ...

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Theater heute März 2010
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Simone Meier

Vergriffen
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