Mit dem Chaos kommt das Leben
Lieber, lieber, sehr verehrter Frank Castorf, bitte machen Sie doch einmal in Ihrem Leben eine Inszenierung, die nicht über zweieinhalb Stunden dauert. Ich schwöre Ihnen: Es würde meine Lieblingsinszenierung des Jahrzehnts, mindestens, denn dass Sie eigentlich ein wunderbarer Regisseur sind, das ist Ihrem fünfstündigen «Hofmeister» von und nach J.M.R. Lenz im Zürcher Schiffbau durchaus anzusehen.
Schön wäre es nun auch, wenn wir aus dem Publikum die punktuelle Euphorie, die sich in überraschend großer Regelmäßigkeit einstellte (und uns damit leider auch vom Schlafen abhielt!!), in einem Zug durchhalten und durcherleben könnten. «Der Hofmeister» wäre dann nämlich wie eine ganz, ganz tolle Droge. So ist er wieder einmal eine virtuose Publikumszermürbung. Ist es wirklich das, was Sie wollen?
Paradiesvisionen Marke Castorf
Nun, es ist nicht anzunehmen, dass Frank Castorf, dieser stets übervolle und unmäßige Rosinenbomber des großen Assoziationstheaters, sich diesen Wunsch jemals zu Herzen nehmen würde. Obwohl ihm gerade Lenzens Hofmeister vormacht, wie es geht mit der Selbstbescheidung durch Selbstbeschneidung. Und dass man danach trotzdem ganz glücklich sein kann und auch noch mit ...
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Ganz auf der Höhe der Zeit ist es nicht. Ein Körperscanner wurde nicht installiert auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses, die Justyna Lagowska einer Abfertigungshalle mit Raucherkabine, Gepäckband und Sitzbänken nachgebaut hat. Last Exit: Gefahrenzone. Leben im Wartestand. Denn die Paare und Passagiere heben ihre Häupter gen Himmel, von dem nichts Gutes...
