«Verdreckt und verschissen, versunken und verstunken»

Frank Castorfs helvetischer Abend mit Friedrich Dürrenmatts Roman «Justiz» am Schauspielhaus Zürich

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Die piekfeine «Kronenhalle» mit weißen Tischtüchern und Kunst an den Wänden, der etwas weniger schicke, dafür architektonisch cool geschwungene Kiosk am Bellevue-Platz, die primärfar­benen Kuben von Le Corbusiers «Heidi-Weber-Haus» im Seefeld und ein Pornokino von der Langstraße: Aleksandar Denic spielt mit seiner Drehbühne im Pfauen ganz auf Zürich, ein mit sich zufriedenes, hedonistisch top aufdatiertes Zürich, und Frank Castorf wird in den kommenden fünfeinhalb Stunden seinerseits dranbleiben.

So helvetisch war Castorf nie und Dürrenmatt selten: schweizerdeutsche Passagen, ein wenig Alberei mit Schweizer Diminutiven («Gip­feli», «Zipfeli» …), kaum Fremdtext, und wenn, ist er von Dürrenmatt selbst. Einzig Alexander Scheer gestattet sich einen Ausreißer mit einem Song von Gundermann: «Unten in der Kanalisation / da üben schon wieder die Ratten Karate.»

Scheer spielt hauptsächlich den Binnen-Erzähler in Dürrenmatts Roman, einen zunächst halbwegs ambitionierten, jedoch völlig mittellosen Rechtsanwalt mit dem sprechenden Namen Spät, der über den Ambivalenzen von Recht im juristischen und Gerechtigkeit im moralischen Verstand ebendiesen verliert und zum völlig aussichtslosen ...

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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Andreas Klaeui

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