Mitte im Untergangsrausch
Au weia.
Hat man so etwas nicht auch schon gesagt? Vom «blauen fleur de sel» geschwärmt, den Wein als «lecker» gepriesen, womöglich über die Vorzüge von Dinkel referiert? Über das Posing durch Postings auf sozialmedialen Kanälen gelästert, jemanden vorschnell des Antisemitismus verdächtigt, den womöglich einzigen Homosexuellen auf der Party ausdrücklich um seine Meinung als Schwuler gebeten und damit diskriminiert? Die erste halbe Stunde des Abendessens, zu dem in Thomas Ostermeiers Urauffüh- rung von Maja Zades «abgrund» die Prenzlauer-Berg-Eltern Matthias und Bettina einladen, lässt einen beständig zusammenzucken. Und es ist nicht nur Fremdscham, die hier angesichts des hohlen Smalltalktänzelns zwischen Lifestyle-Themen, politischen und moralischen Fragen keimt, sondern das dumpfe Gefühl, selbst schon mit solchen Floskeln hantiert zu haben.
Abgelauschter Smalltalk
In Maja Zades zweitem in dieser Spielzeit an der Berliner Schaubühne uraufgeführtem Theaterstück (nach der Genderverkehrungskomödie «status quo») gibt es keine Figuren, nur sehr genau realen Abendessen abgelauschte Repliken. Objets trouvés, sozuagen. Durch sie werden zwar nach und nach als Charaktere (das ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 20
von Eva Behrendt
Was ist los in Frankreich? Samstag für Samstag demonstrieren die Gilets Jaunes, aller Polizeigewalt zum Trotz, und schlagen die Luxusboutiquen an den Champs-Elysées kurz und klein. Und im Theater endet ein Stück mit der unverblümten Aufforderung zu «einer schönen Revolution» und wird vom Publikum an einem frühlingshaft sonnigen Sonntagnachmittag mit frenetischem...
Plötzlich steht da dieser kleine Körper auf der Bühne. Eigentlich ist Maybelle schon vor Stückbeginn tot: Ihr Name steht groß auf der Bühnenrückwand, der untere Strich des letzten Buchstabens zieht sich lang hin und bricht dann plötzlich ab wie ein Kardiogramm. Doch Regisseurin Anna Bergmann bringt die kleine Tochter des Musikerpaares Elise und Didier als...
Vor zwei Jahren stand in Heidelberg ein 64-Jähriger vor Gericht, dem Amtsanmaßung, Titelmissbrauch und versuchte Nötigung in mehreren Fällen vorgeworfen wurde. Der Mann hatte sich als Bürgermeister ausgegeben und honorige Heidelberger erpresst: Er verlangte von ihnen Irrsinnssummen, wenn sie ihm nicht eine beglaubigte «Gründungsurkunde» der Bundesrepublik...
