Vater ans Licht!
Jedes Kind kennt Ödipus. Der bekannteste Vatermörder, Mutterliebhaber und Rätsel -löser aller Zeiten wird seit jeher in den unterschiedlichsten Disziplinen mit einem Höchstmaß an interpretatorischer und künstlerischer Aufmerksamkeit bedacht. Doch nicht so seine Eltern Laios und Iokaste. Insbesondere der Vater Laios, der in der Tragödie «Ödipus Tyrannos» von Sophokles nur aus der Retrospek -tive als Corpus Delicti Erwähnung findet, verbringt sein Dasein bislang weitgehend unbehelligt im Schatten der gewaltigen Rezeptionsgeschichte offstage.
Das mag zum einen mit der Überlieferungssituation der antiken Literatur zusammenhängen. Zwar wissen wir von einer Tetralogie des Aischylos mit den Tragödien «Laios», «Ödipus»,
«Sieben gegen Theben» und dem Satyrspiel «Sphinx», doch von «Laios» sind ebenso wie von «Ödipus» und «Sphinx» nur ein paar kümmerliche Zeilen erhalten. Das Gleiche gilt für eine Tragödie des Euripides mit dem Titel «Chrysippos», dem Namen von Laios’ Geliebten aus Pisa, und für die beiden epischen Dichtungen «Oidi -podeia» und «Thebais», die ebenfalls bis auf geringfügige Reste verlorengegangen sind.
Zum anderen aber scheint die rezeptionsgeschichtliche Fokus-Verschiebung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 159
von Sybille Meier
Am Rad morgens an der Ampel, eng im Pulk der Wartenden, der Fußgänger, neben einer Frau, die ruhig und breit, und komplett a-rezeptiv da steht, nichts von dem bemerkt, was um sie herum vorgeht, denn natürlich hat sie ihre Welt abpanzernden Privatsendungsstöpsel im Ohr, hört nichts, merkt nichts, ist als Taube von sich selbst beschallt, ganz allein in ihrem...
Und natürlich könnte ich hier jetzt mit großer Geste die Utopie eines Theaters des Verzichts proklamieren. Was braucht es denn mehr als die paar Bretter, die die Welt bedeuten, und ein paar Leute, zur Not auch Lai:innen, die sich da rauf stellen, um uns hier unten zu belustigen. Wir packen ein paar Kostüme auf den Leiterwagen und ziehen los, ganz wie in alten...
Eine Einladung, in Erinnerungen zu schwelgen», verspricht die spiralgebundene Drei-Kilo-Chronik «Kampf ums Paradies», die sich das Deutsche Theater zum Ende der Ära Khuon geschenkt hat. Tatsächlich sind hier nicht nur die 384 Premieren verzeichnet, die die Riesenmaschine Deutsches Theater in 14 Spielzeiten – das sind im Schnitt 27,5 Premieren pro Saison –...
