Wider die Steigerungslogik
Wir alle wissen: Die Welt wäre ökologisch schon längst und gleich mehrfach gegen die Wand gefahren, würde die gesamte Weltbevölkerung so leben, wie wir es hier in Deutschland tun. Auch ohne dies ist der Aufprall nicht mehr fern und kaum aufzuhalten. Das lässt viele verzweifeln und wenige rebellieren. Und so praktiziere auch ich meine ganz persönliche verzweifelte Nachhaltigkeit: vermeide Müll, esse kein Fleisch, fliege nur noch einmal im Jahr und nehme das Fahrrad zum Theater.
Eben dort, im Theater, wo mein Einfluss in Nachhaltigkeitsfragen etwas größer ist, haben wir schon eine Menge erreicht. Gegenüber 2007 haben wir unseren Stromverbrauch um über 50 Prozent reduziert und arbeiten am zweiten Zertifizierungsver -fahren für Ökoprofit. Das ist eine gute Basis, aber wir wollen weitergehen, haben eine Nachhaltigkeits-AG und Transformationstage ins Leben gerufen, an denen die Belegschaft Strategien für eine bessere Zukunft entwirft. Ach ja, und ich verteidige jederzeit gerne Aktionen der Letzten Generation.
Konsequenter wäre vielleicht, sich generell einer Philosophie des Weniger zuzuwenden – so wie John von Düffel es in seinem neuen Buch «Das Wenige und das Wesent -liche» ausführt. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 52
von Sonja Anders
Etwas sträubt sich in uns gegen die öffentliche Rede vom persönlichen Verzicht. Es erinnert an Kardinaltugenden, an die Mäßigung, die Platon insbesondere dem unteren Stand verordnet. (Die oberen Stände dürfen sich um Weisheit und Tapferkeit kümmern.) Soll wirklich jede:r bei sich selbst anfangen? Ist die Rede vom individuellen Verzicht nicht der unpolitische...
Viele Jugendliche verzweifeln an den Erwachsenen. Die Klimakrise gefährdet ihre Zukunft, doch unablässig entstehen neue Treibhausgase. «Was macht unsere Eltern nur so ratlos?», fragt sich etwa Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Genauso wenig kann sie begreifen, warum die langjährige deutsche Kanzlerin weitgehend untätig blieb. «Merkel ist Physikerin. Müsste sie da...
Derzeit steht sie in Stuttgart in Shakespeares «Der Sturm» auf der Bühne: als Miranda, Tochter des Prospero, neben André Jung. Camille Dombrowsky, 26 Jahre alt, spielt Miranda als selbstbewusste, schlagfertige, emanzipierte junge Frau. Natürlich reißt sie dem heißbegehrten jungen Prinzen Ferdinand die Kleidung vom Leib – und nicht umgekehrt. Dombrowsky hat sich...
