Ein Punkt im Raum
Ein Vater, eine Tochter im Säuglingsalter und eine (Ur-)Großmutter auf der Flucht vor der Trauer – so beginnt das neueste Stück von Wolfram Höll. Die Frau, die Mutter, die Tochter ist bei einem Autounfall tödlich verunglückt, und das trauernde Trio macht sich auf eine lange Autobahnfahrt, von Sachsen durch Landschaften, Tunnels, bis zum Zielort: ein kleines Dorf in den Schweizer Alpen, wo sich die Restfamilie niederlassen wird. Emotional riskant ist diese Flucht, weil sie gleichzeitig in die Trauer hineinführt, weil dieses Dorf der Heimatort der Familie der Verstorbenen ist.
Das Haus, in das man zieht, die Felder, die alten Großtanten, alles schmeckt nach Erinnerung an sie.
Angekommen am Zielort, sehen sich die drei erstmal einer geballten Fremdheitserfahrung ausgesetzt. Misstrauisch wird hier alles Neue beäugt, nicht nur von den letzten verbliebenen Bewohnern des schrumpfenden Dorfes; auch die Häuser haben Augen, werden zu belebten Wesen, die ins Tal geschmiegt lauern – die kleine Tochter ist die einzige, die ihren Blick erwidert, während der Vater stumm versucht, sich und dem Dorfbewusstsein zu beweisen, dass ein alleinstehender Mann sich um ein kleines Kind kümmern kann. Und ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 154
von Georg Mellert
Viele Jugendliche verzweifeln an den Erwachsenen. Die Klimakrise gefährdet ihre Zukunft, doch unablässig entstehen neue Treibhausgase. «Was macht unsere Eltern nur so ratlos?», fragt sich etwa Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Genauso wenig kann sie begreifen, warum die langjährige deutsche Kanzlerin weitgehend untätig blieb. «Merkel ist Physikerin. Müsste sie da...
Seit Jahrhunderten verzichten Frauen*. Sie verzichten auf ihre Karrieren, auf ihr Essen, auf ihre Selbstbestimmung, ihr Geld, ihre Freiheiten, ihren Orgasmus. Sie verzichten, weil sie müssen, weil es ihnen von außen aufgetragen wird. Damit das Ungleichgewicht im Gleichgewicht bleibt. Damit das Patriarchat florieren und sich seine Säulen tiefer in die Erde...
Vielleicht sind die Schmerzen morgen weg, wenn sich der Körper erholt hat, wenn er ausgeschlafen ist, wenn das Wetter besser wird, wenn der Stress nachlässt. Doch sie bleiben. Stechend? Glühend? Brennend? Pochend? – Dumpf? Tiefliegend? Krampfartig? Auf einer Skala von 1–10? In Deutschland leiden etwa 17 Prozent der Bevölkerung unter langanhaltenden, chronischen...
