Vages Wolfsgeheul
Da sind Carol, Anna und Bonnie, Mutter, Tochter und Enkelin. Da sind Pflaumenbäume, aufgeschnittene Pulsadern und Fische am Grund eines Teichs. Und da ist eine gemeinsame psychische Disposition, eine Depression. In «Anatomy of a Suicide» geht es um nichts weniger als die Angst vorm Leben und die Sehnsucht nach dem Selbstmord: Carol bringt sich um, kaum ist ihre Tochter aus dem Gröbsten raus, Anna – nach einer Drogenkarriere – ebenfalls, nur Bonnie durchbricht diesen Kreislauf und lässt sich sterilisieren.
Der Stücktext von Alice Birch ist dramaturgisch komplex.
Er ist eine Parallelmontage dreier Geschichten, mit textlichen und szenischen Überschneidungen und wiederkehrenden Stichworten. Es ist ein Stück, das so sehr nach szenischer Präzision zu schreien scheint, wie die drei Frauen nach Erlösung. So zumindest inszenierte, choreografierte Katie Mitchell im Oktober 2019 die deutschsprachige Erstaufführung am Hamburger Schauspielhaus. Eine Inszenierung, die sich durch ihre enervierende Exaktheit fast gewaltsam eingeprägt hat.
Die Regisseurin Lilja Rupprecht nimmt den entgegengesetzten Weg und inszeniert den Text am Staatstheater Hannover flirrend assoziativ. Nur anfangs stehen alle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2022
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Katrin Ullmann
Ein Kollege erinnert sich an die Zeit, als das Nordwind-Festival 2006 in Berlin gegründet worden war: Vegard Vinge habe bei dem Schaufenster nordischen Radikaltheaters erste Arbeiten südlich des Skagerraks gezeigt, außerdem habe eine in Deutschland bis dato unbekannte dänisch-österreichische Gruppe namens SIGNA auf sich aufmerksam gemacht. Mystisch entgrenzte...
Theater heute «Slippery Slope« nennt sich «almost a musical», fast ein Musical. Warum fast?
Yael Ronen Wir haben lange überlegt, wie wir diese Show nennen sollen, was für ein Genre das eigentlich ist. Wir wollten es erst nicht Musical nennen, weil wir dachten, das weckt beim Publikum falsche Erwartungen, was ein Musical sein soll. Andererseits ist «Slippery Slope»...
Dass vor Beginn der Vorstellung die Stimme von Martin Kušej ertönt, ist derzeit normal. Aber während der Direktor üblicherweise an die Einhaltung der gerade geltenden Schutzmaßnahmen appelliert, hört sich seine Tonbandansprache diesmal etwas anders an. Das Kasino sei ein «shared space», aber kein «safe space», sagt Kušej, wer sich nicht sicher fühle, könne das...
