Unter die Haut
Mit Reenactments ist es so eine Sache. Selbst wenn man zum Zweck kritischster Draufschau rassistische, sexistische, antisemitische oder sonstwie mensch- oder tierverachtende Ereignisse aufführend wiederholen und idealerweise erkenntnisstiftend durcharbeiten möchte, macht man sich zum Komplizen des Heraufbeschworenen. Das können auch gezielte Brechungen – Beispiel: «Breiviks Erklärung» wird von einer Schauspielerin mit Migrationshintergrund vorgetragen – nicht restlos verhindern.
Vor diesem Problem müssen irgendwann auch die Performance-Künstlerinnen Iva Sveshtarova und Rose Beermann gestanden haben. Beim Festival «Freischwimmer», das die beiden Gießen-Absolventinnen mit «Strip naked, talk naked» eröffneten, reeanacteten sie mit Hilfe von Daniel Hinojo und Sebastian K. König die erste Folge der dänischen Talkshow «Blachman». Darin unterhalten sich zwei Männer auf der Couch über eine nackte Frau, die wortlos vor ihnen posiert – mit dem Ziel, im Pornozeitalter die Schönheit des weiblichen Körpers und damit die eigene Männlichkeit neu zu entdecken. Der Clou: Am Ende haben die quatschenden Männer weit mehr von sich preisgegeben als die schweigende Nackte.
Mit Fellbeispielen
Doch so ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Eva Behrendt
Ein paar Tische auf einer sonst leeren Bühne, über der ein Billboard im Stil der 1950er Jahre schwebt und das auf Englisch und in wechselfarbigen Neon-Buchstaben zum Leben in den Vororten einlädt («Train fares are SO CHEAP») – das ist alles, was Intendant Enrico Lübbe und sein Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt brauchen, um «Zeiten des Aufruhrs» in Szene zu setzen....
Das bildungsbürgerliche Publikum ist überall: Nicht nur auf die Hinterbühne hat es sich verdoppelt, sondern sogar bis auf die Bühne verlängert. Dort unten, eingekesselt zwischen den beiden Tribünen, lauschen zwei seriös gekleidete Paare einem Klavierspieler (Matthias Herrmann) und einem Sänger (Tomas Möwes) bei der Darbietung deutscher Volkslieder. Kurz darauf darf...
Am 30. November 2014 fanden in den Räumen des Teatr.doc im Moskauer Stadtzentrum, wo man gerade den ukrainischen Film «Stärker als Waffen» über die Ereignisse auf dem Maidan zeigen wollte, eine Hausdurchsuchung und ein Überfall statt. Den Film zu zeigen, gelang nicht. Die sich daran anschließenden Ereignisse erreichten beinahe Hollywood-Dimensionen, allerdings eher...
