Mittelstand am Gefrierpunkt
Ein paar Tische auf einer sonst leeren Bühne, über der ein Billboard im Stil der 1950er Jahre schwebt und das auf Englisch und in wechselfarbigen Neon-Buchstaben zum Leben in den Vororten einlädt («Train fares are SO CHEAP») – das ist alles, was Intendant Enrico Lübbe und sein Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt brauchen, um «Zeiten des Aufruhrs» in Szene zu setzen.
Obendrein ist der Titel des Abends auch das Motto der Spielzeit und das Ganze eine Uraufführung nach Richard Yates’ Roman «Revolutionary Road», der 2008 von Sam Mendes mit dem Titanic-Traumpaar Kate Winslet und Leonardo Di Caprio in den Hauptrollen verfilmt wurde.
Im Leipziger Schauspielhaus verkörpern Anja Schneider und Felix Axel Preisler das Ehepaar Wheeler, das seit einigen Jahren in dem Haus in der Revolutionary Road wohnt, aber selbstredend eigentlich für Höheres bestimmt ist – besonders Frank, der einem langweiligen Job inklusive Affäre bei einer Bürogerätefirma nachgeht. Die Vorstadtödnis lässt ihre Träume platzen, und den Plan, nach Europa auszuwandern, durchkreuzt eine erneute Schwangerschaft. Ein Szenario, das sich wie ein Prolog für Millers «Tod eines Handlungsreisenden» liest, tatsächlich aber erst zwölf ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Chronik Leipzig, Seite 53
von Torben Ibs
Sie kommen aus dem Norden. Die Grenze ist löchrig, und Schlepperbanden besorgen den Rest: zu Fuß, über das Land, herunter vom Hochplateau, aus den angrenzenden Nachbarländern Zimbabwe, Mosambik, Angola, aus Zentralafrika, dem Kongo, aber auch aus dem Nordwesten, Senegal, Elfenbeinküste.
Sie kommen aus dem Süden. Zu Fuß, durch die Wüste, überqueren Landesgrenzen des...
Dieser Peer ist ein Prachtkerl. Einer, für den die Mädels alles stehen lassen und den seine Mutter insgeheim vergöttert, obwohl sie ihn ständig ausschimpft. Ein Rumtreiber und Prahler, dem man trotzdem kaum übelnehmen kann, dass er sich mit dem oder der ersten Besten nicht zufrieden geben mag, wo ihm doch auf märchenhafte Weise alle zu Füßen zu liegen scheinen.
Wie...
Was für eine nette Familiengeschichte: Oma muss in jungen Jahren eine eiserne Nazisse gewesen sein, die noch eine Woche vor Kriegsende in der österreichischen Provinz dafür gesorgt hat, dass ein junger Wehrmachtssoldat, der laut ans Desertieren dachte, standrechtlich hingerichtet wurde. Ein Jahr später wurde sie dafür zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Danach hat...
