Und alles immer seltsamer
Ist die in ihr Erdloch hineinwachsende, zunehmend bewegungsloser werdende Winnie aus Becketts «Glückliche Tage» nicht eine durchweg überlebte Figur? Und ihre stillstehende Welt, in der sie unerschütterlich optimistisch mit Zahnpastatube, Nagelfeile und Regenschirm gegen Nichtstun und Eintönigkeit kämpft, in Anbetracht von Rastlosigkeit und Reizüberflutung im digitalisierten Zeitalter nicht völlig harmlos?
In der Inszenierung des Franzosen Stéphane Braunschweig am Düsseldorfer Schauspielhaus (und in Kooperation mit La Colline, Théâtre National, Paris) zeigt sich der wenig Inszenieru
ngsfreiheiten bietende Klassiker durch ein paar Blickverschiebungen allerdings auf der Höhe unserer Zeit. Die Bühne von Braunschweig und Alexandre de Dardel erinnert an eine Rastergrafik für ein Computerspiel, hier steckt Winnie bis zur Hüfte in einem leuchtend blauen Krater aus Pappmaché, um sie herum halbfertige Kratergerüste aus Metallgestänge. Zugleich ist sie einer Kamera ausgeliefert, die sie riesenhaft auf eine hinter ihr befindliche Kinoleinwand projiziert: Unterkörperlos steckt sie dort im unwirtlichen Big Blue des Cyberspace. In diesem virtuellen Raum wachsen Feststellungen wie «Nie irgendeine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2014
Rubrik: Chronik: Düsseldorf, Seite 65
von Natalie Bloch
Als ich vor sechs Jahren nach Basel kam, dauerte es nicht lange, bis ich den Namen Trix hörte – recht oft hörte – und dies immer in Verbindung mit «Aua». Nun war es meiner damaligen Unkenntnis geschuldet, dass ich Trix und Aua nicht sofort einordnen konnte, aber mir wurde sehr schnell klar, dass hinter diesen Codenamen, dieser Geheimsprache etwas Wichtiges steckte,...
Das «gegenständliche Leben für fünf Schauspieler», so der Untertitel von Dmytro Ternovyis «Hohe Auflösung», endet für Jelena kurz vor Stückschluss leider ebenfalls gegenständlich: Ein Pflasterstein trifft sie tödlich am Kopf. Der Brocken kommt zwar nicht zufällig durchs Fenster geflogen, aber er hätte genauso gut vorbeifliegen können. Jelena hat einfach kein Glück...
Dass man seine eigene Beerdigung nicht miterleben muss, scheint angesichts Thomas Melles «Nicht nichts» ein großer Glücksfall. Der Trauergemeinschaft, die sich in Maria Viktoria Linkes Inszenierung am bühnenfüllenden Grab der Dramatikerin Carolyn Gratzky zusammengefunden hat, begegnet man lieber tot. Statt Trauer verbindet sie nichts als das Schwarz ihrer...
