Übers Sprechen sprechen
So ein Andrang war nie. 380 Anmeldungen gab es zur diesjährigen Konferenz der Dramaturgischen Gesellschaft, mehr als doppelt so viel wie erwartet.
War es der Tagungsort München, der in diesen klirrekalten Januartagen jederzeit das Ausbüxen zum Skifahren ermöglichte, wie Kulturreferent Hans-Georg Küppers zur Eröffnung schelmisch anmerkte? War es das Ergebnis des schon vor einigen Jahren vollzogenen Generationswechsels in der DG, der Früchte zeitigt und in Scharen die jungen Dramaturgen aus den, na ja, eher mittleren bis kleinen Stadttheatern von Aachen bis Oldenburg in die Bayerische Theaterakademie lockte?
Vielleicht galt der Andrang ja auch dem Thema der Tagung: «Es gilt das gesprochene Wort», ein weites Feld. Um Sprache sollte es gehen, das Sprechen über Theater (die Dramaturgenkönigsdisziplin) und das Sprechen im Theater, auf der Bühne. Und disziplinübergreifend sollte über das Sprechen gesprochen werden, mit Impulsen aus der Neurowissenschaft wie der politischen Rhetorik, der phonetischen Wissenschaft, der Soziologie wie der psychologischen Didaktik. «Ein Wort ist das schnellste, was es gibt. Lasst eure Köpfe platzen!», rief Kammerspiel-Intendant Johan Simons mit charmantem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2013
Rubrik: Magazin: Konferenz, Seite 62
von Barbara Burckhardt
Die Pediküre kann warten. Die Unabhängigkeit nicht.» Der Regisseur maßregelt eine Schauspielerin, die den nächsten Tag mit Kosmetik beginnen will. «Ab neun Uhr wird geprobt, es geht um nationale Interessen!» Ein neues Theaterstück soll entstehen, aus Anlass der Unabhängigkeit des Kosovo. Urplötzlich brach der Auftrag über die staatliche, aber seit Monaten nicht...
Breitbeinig harrt sie in ihrem Kerker aus. Johanna, das Trotzkind, verbannt in die Strafecke der Geschichte. Ihr Blick durchbohrt die Leere, sie ritzt einen Strich in den Unterarm, eine blutrote Zählung, Tag um Tag. Ihr Schopf: asymmetrisch geschoren. Selbst wenn das ihre Häscher waren, die Frisur passt zu ihr, der jugendlich Unangepassten, der Unbeugsamen, für die...
Alceste hat eine Portion üble Laune gefrühstückt. Jetzt kotzt er sich aus. Gründlich, wenn auch ohne Grund. Einen Anlass braucht Alceste nicht, prinzipielle Abscheu gegen Freund und Feind genügt völlig, nicht umsonst ist er als Molières «Menschenfeind» bekannt.
Michael Maertens hat für seinen Zürcher Alceste die Misanthropie in der Tat in sich hineingefressen....
