Gegen den Rest der Welt
Breitbeinig harrt sie in ihrem Kerker aus. Johanna, das Trotzkind, verbannt in die Strafecke der Geschichte. Ihr Blick durchbohrt die Leere, sie ritzt einen Strich in den Unterarm, eine blutrote Zählung, Tag um Tag. Ihr Schopf: asymmetrisch geschoren. Selbst wenn das ihre Häscher waren, die Frisur passt zu ihr, der jugendlich Unangepassten, der Unbeugsamen, für die in der Welt kein Frieden gut genug ist. Sie muss kämpfen, wird verglühen. Johanna gegen den Rest der Welt.
Friedrich Schillers «Jungfrau von Orleans» macht am Theater Freiburg eine erhebliche Metamorphose durch.
Regisseurin Felicitas Brucker rollt das stark eingestrichene Stück von seinem tragischen Ende her auf. Zu Beginn sitzt Lena Drieschners Johanna bereits in U-Haft. Im Hintergrund übt sich ein geistlicher Wärter in Demut und Diskretion, es ist der Musiker Malte Preuss, seine Gitarre wird die Gotteskriegerin aufpeitschen, sobald es zu diesem großen Flashback kommt, der bei Schiller das Drama ist.
Es gibt einige Dinge, die diese Johanna buchstäblich ankotzen: Die feige Verwandtschaft, die sich am liebsten im Chor aus jedem Risiko heraushält. Der kreuzbrave Vater (Frank Albrecht), der «die schlechte Magd» als ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Freiburg Theater, Seite 48
von Stephan Reuter
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