Traumata unserer Tage
Am besten hat die Exilerfahrung wohl die aus Uganda geflohene Aktivistin und Lyrikerin Stella Nyanzi auf den Punkt gebracht, in einem ihrer mitreißenden, in Deutschland entstandenen Gedichte: «Exil, das ist ein Ort zum Atmen: ah und uh.» Ein leicht befreiendes Ah und ein leicht schmerzliches Uh. Gemischtes Gefühl also. Im Exil verliebt sich ihre Tochter in bayerische Dirndl-Trachten, und der Sohn macht eine zweite koloniale Spracherwerbserfahrung, nach Englisch nun das Deutsche: «Die Worte sind lang – und sie schmecken nach nichts.
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«Performing Exiles», das neue Format der Berliner Festspiele, feierte in diesem Juni Premiere und war randvoll mit Theaterarbeiten, Tanz, Lesungen, Diskussionen und Treffpunkten über die Stadt verteilt (das HAU, der Heimathafen Neukölln und die Akademie der Künste waren als Spielstätten dabei). Und selten fand man die Hauptstadtpresse so voll des Lobes, so regelrecht aus dem Häuschen wie über dieses Angebot. Was zu einem Gutteil mit der Person Matthias Lilienthal zu tun hat, der in Berlin die Volksbühne und das HAU groß gemacht hat, dann zu «Theater der Welt» und den Münchner Kammerspielen weiterzog und nunmehr als Kurator der Performing Exiles ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Festivals, Seite 28
von Christian Rakow
Trigger-Warnungen und Diskussionen um deren Berechtigung und deren Wortlaut begegnen mir zurzeit regelmäßig in meiner dramaturgischen Arbeit am Theater, aber auch im Unterricht mit Studierenden der darstellenden Künste. Die auf Saaltüren, Abendzetteln und Homepages festgehaltenen Ankündigungen potenziell verletzenden Zeichengebrauchs interessieren mich als...
Das Leben ist ein Fest, und die schönste Rolle, die man dabei spielen kann, ist die der Gastgeberin. Das strahlt in vergnügtester Weise Wiebke Puls aus, wenn sie zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung durchs Foyer der Münchner Kammerspiele schwebt – im schulterfreien, ausladenden Ballkleid, weiße Blüten auf schwarzem Grund, mit einem Kasten Bier auf der Schulter...
Die letzten wenigstens halbwegs gesicherten Berichte vom Untergang der Menschheit sind den Aufzeichnungen von Max Schrammel aus der «Unterstufen AG Kreatives Schreiben» an der Lars-Eidinger-Gesamtschule in Bottrop-Kirchhellen zu verdanken. Sein in Bernstein konserviertes iPhone mit den gesammelten Hausaufgaben hat den Exodus einigermaßen unbeschadet überstanden, um...
