Traumata unserer Tage
Am besten hat die Exilerfahrung wohl die aus Uganda geflohene Aktivistin und Lyrikerin Stella Nyanzi auf den Punkt gebracht, in einem ihrer mitreißenden, in Deutschland entstandenen Gedichte: «Exil, das ist ein Ort zum Atmen: ah und uh.» Ein leicht befreiendes Ah und ein leicht schmerzliches Uh. Gemischtes Gefühl also. Im Exil verliebt sich ihre Tochter in bayerische Dirndl-Trachten, und der Sohn macht eine zweite koloniale Spracherwerbserfahrung, nach Englisch nun das Deutsche: «Die Worte sind lang – und sie schmecken nach nichts.
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«Performing Exiles», das neue Format der Berliner Festspiele, feierte in diesem Juni Premiere und war randvoll mit Theaterarbeiten, Tanz, Lesungen, Diskussionen und Treffpunkten über die Stadt verteilt (das HAU, der Heimathafen Neukölln und die Akademie der Künste waren als Spielstätten dabei). Und selten fand man die Hauptstadtpresse so voll des Lobes, so regelrecht aus dem Häuschen wie über dieses Angebot. Was zu einem Gutteil mit der Person Matthias Lilienthal zu tun hat, der in Berlin die Volksbühne und das HAU groß gemacht hat, dann zu «Theater der Welt» und den Münchner Kammerspielen weiterzog und nunmehr als Kurator der Performing Exiles ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Festivals, Seite 28
von Christian Rakow
Margit Carstensen war die Petra von Kant, im Film und auf der Bühne; sie prägte diese wie viele Fassbindersche Frauenfiguren. Dem Regisseur sei nachgesagt worden, sagt Carstensen 1992 in einem Interview, so negative Frauenbilder gezeichnet zu haben. «Dabei war ich das. Ich hab’ sie negativ gezeigt.» Schließlich seien hinter dem, was man nach außen sehe, oft doch...
Phädra hat sich an einem rot gefärbten Sandkasten niedergelassen. Erschöpft vom Dasein, aber ihre Waffen sind noch nicht gestreckt. «Ich bin es leid, werde ich ihm sagen, ich bin es so leid», sind ihre ersten Worte. Doch wie Constanze Beckers Phädra sie ausspricht, klingt nichts jammervoll daran. Mit ruhigem Duktus, dazu hohe Stirn und festen Blick, stemmt sie sich...
«So, Leute, das Land ist frei.» Arbeit erledigt. Tell schmeißt seine goldene Armbrust in den Teich, mit der er zuvor den tyrannischen, brutalen Reichsvogt Gessler niedergestreckt hat. «Das Land ist frei, das Land ist frei», singen die Fische lustig im Chor und lassen tanzend die Flossen flattern. Und das Publikum klatscht enthusiasmiert mit und jubelt. Eine solch...
