Das große Welttheater
Die letzten wenigstens halbwegs gesicherten Berichte vom Untergang der Menschheit sind den Aufzeichnungen von Max Schrammel aus der «Unterstufen AG Kreatives Schreiben» an der Lars-Eidinger-Gesamtschule in Bottrop-Kirchhellen zu verdanken. Sein in Bernstein konserviertes iPhone mit den gesammelten Hausaufgaben hat den Exodus einigermaßen unbeschadet überstanden, um 40 Millionen Jahre später deutlich höher entwickelten Humanoiden schwache Anhaltspunkte vom Leben auf der Erde zu geben, «einem winzigen Felsplaneten am Rand der Galaxie».
Besonders interessant sind die recht detaillierten Beschreibungen vom Untergang der Spezies Mensch, die sich zwar einigermaßen selbstzerstörerisch benommen hat – «they over -fished, overhunt, overfarmed, overburned, over -produced and overpopulated» – und außerdem ein hochtalentierter Verdränger war: «Die Menschen waren sehr gut darin, unangenehme Tatsachen zu ignorieren, aber nicht so gut darin, sie zu überleben.»
Aber tatsächlich untergegangen ist die Menschheit nicht etwa wegen dieser Fehler, sondern, so jedenfalls Max Schrammel, nachdem ein Haufen Raumschiffe über den irdischen Städten aufgetaucht ist und dem Treiben ein Ende gemacht hat. Diese ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
Das Leben ist ein Fest, und die schönste Rolle, die man dabei spielen kann, ist die der Gastgeberin. Das strahlt in vergnügtester Weise Wiebke Puls aus, wenn sie zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung durchs Foyer der Münchner Kammerspiele schwebt – im schulterfreien, ausladenden Ballkleid, weiße Blüten auf schwarzem Grund, mit einem Kasten Bier auf der Schulter...
Als Schauspielerin ist Maria Happel, 60, die Stimmungskanone des Burgtheaters. Wenn sie auftritt, gibt es viel zu lachen. Konsequenterweise steht sie dabei meist direkt an der Rampe und schleudert eine Wuchtel nach der anderen in den dankbaren Zuschauerraum. Happels Status als Wiener Publikumsliebling ist ungebrochen – obwohl sie gebürtige Deutsche ist. Zugleich...
Phädra hat sich an einem rot gefärbten Sandkasten niedergelassen. Erschöpft vom Dasein, aber ihre Waffen sind noch nicht gestreckt. «Ich bin es leid, werde ich ihm sagen, ich bin es so leid», sind ihre ersten Worte. Doch wie Constanze Beckers Phädra sie ausspricht, klingt nichts jammervoll daran. Mit ruhigem Duktus, dazu hohe Stirn und festen Blick, stemmt sie sich...
